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Wörter für die Katz?

Martin Walser im Kontext der Literatur nach 1945

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Edited By Miriam Seidler

Martin Walser ist ein unbequemer Autor. Diese Eigenschaft kam in den letzten Jahren vor allem in der Walser-Bubis-Debatte um die Erinnerung an den Holocaust und in seiner Abrechnung mit der Literaturkritik in dem Roman Tod eines Kritikers zum Ausdruck. Dass Martin Walser seine literarische Produktion durch eine intensive Beschäftigung mit dem Werk von Kollegen und die theoretische Auseinandersetzung mit Gattungsfragen begleitet, ist kaum bekannt. Der Sammelband geht dieser unbekannten Seite des Autors nach und zeigt Facetten der kritischen Auseinandersetzung in seinem Werk auf.

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Wörter für die Katz? Einführende Überlegungen

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„Wer kennt Walser?“1 – so betitelt Heinz Ludwig Arnold im Jahr 1970 einen Beitrag in der Wochenzeitung Die Zeit, in dem er die „offensichtliche[.] Uninteressiertheit und Unorientiertheit“ der Germanistikstudierenden zu Beginn der siebziger Jahre beklagt. In einer Umfrage unter Teilnehmern eines Seminars für Studierende im zweiten und dritten Semester kannte lediglich ein Teilnehmer Martin Walsers gerade erschienenen Roman Halbzeit. Obwohl der Name Walser den Germanistikstudenten nicht vertraut war (damit stand er übrigens im Be- kanntheitsgrad auf einer Stufe mit Günter Grass, Uwe Johnson und Heinrich Böll), war er zu diesem Zeitpunkt in der kulturellen Öffentlichkeit der Bundes- republik kein Unbekannter mehr. Seit 1953 war er Mitglied der den Literatur- markt dominierenden Gruppe 47. Seine Erzählung Templones Ende wurde 1955 mit dem Preis der Gruppe 47 ausgezeichnet. Bereits für seinen ersten Roman Ehen in Philippsburg hatte er im Erscheinungsjahr 1957 den Hermann-Hesse- Preis erhalten, in den sechziger Jahren war er auf den Bühnen Deutschlands mit mehreren Uraufführungen präsent. Neben seiner regen politischen Aktivität ist er seit 1968 Mitglied der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Seit den siebziger Jahren hält die Präsenz von Martin Walser sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung als auch auf dem Literaturmarkt unvermindert an. „Wer kennt Walser?“ muss man heute wohl nicht mehr fragen, vielmehr stellt sich heute die Frage, wie Walsers literarisches Werk einzuordnen ist. Sucht man seine Publikationen in den Regalen der großen Buchhandelsketten, dann fällt auf, dass er es nicht...

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