Show Less

Wörter für die Katz?

Martin Walser im Kontext der Literatur nach 1945

Series:

Edited By Miriam Seidler

Martin Walser ist ein unbequemer Autor. Diese Eigenschaft kam in den letzten Jahren vor allem in der Walser-Bubis-Debatte um die Erinnerung an den Holocaust und in seiner Abrechnung mit der Literaturkritik in dem Roman Tod eines Kritikers zum Ausdruck. Dass Martin Walser seine literarische Produktion durch eine intensive Beschäftigung mit dem Werk von Kollegen und die theoretische Auseinandersetzung mit Gattungsfragen begleitet, ist kaum bekannt. Der Sammelband geht dieser unbekannten Seite des Autors nach und zeigt Facetten der kritischen Auseinandersetzung in seinem Werk auf.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

NIKOLAS IMMER: Pollux sucht Kastor. Martin Walsers Annäherungen an Goethe

Extract

NIKOLAS IMMER Pollux sucht Kastor. Martin Walsers Annäherungen an Goethe „Bis er sie sah, hatte sie ihn schon gesehen.“1 Mit diesem Satz beginnt Martin Walsers 2008 erschienener Roman Ein liebender Mann, der die Liebesbe- ziehung des gealterten Goethe zur jungen Ulrike von Levetzow zum Thema hat. Dabei ließe sich fast unterstellen, der Eingangssatz spiele auch auf die Publika- tionsbedingungen des Romans an. Denn bis das Lesepublikum das Werk voll- ständig ›sehen‹ konnte, hatte es der Autor schon werbewirksam ›sichtbar ge- macht‹:2 Am 7. und 14. November 2007 präsentiert Walser im Deutschlandfunk den noch unveröffentlichten Roman; dessen auf den 7. März 2008 datierte Sperrfrist unterläuft der Rowohlt-Verlag, indem er ihn vorzeitig freigibt; am 21. Februar erscheint Ulrich Greiners hymnische Rezension in der Zeit;3 und ab dem 23. Februar publiziert die F.A.Z. den Roman als Vorabdruck, was vor allem deshalb irritiert, weil Frank Schirrmacher noch 2002 den Tod eines Kritikers als „Dokument des Hasses“ unmöglich gemacht hatte.4 Sechs Jahre später wird dieser Streit nicht nur weitgehend tabuisiert, vielmehr wird mit der Präsentation von Ein liebender Mann gleichsam eine Art Wiedergutmachung betrieben. Denn parallel zum Vorabdruck des Romans richtet die F.A.Z. auf ihrer Homepage einen opulent ausgestatteten Lesesaal ein,5 dessen unter der Rubrik „Von Walser zu Goethe“ erscheinende Kolumnen zugleich in der F.A.S. veröffentlicht wer- den. Dort wird am 9. März 2008 in das Thema „Liebe mit Stil – Sex mit Schil- ler“ mit folgenden Worten eingeleitet: Martin...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.