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Kindheit in der Funktionale

Ambivalenzen ihres Wandels in disziplinären und professionellen Perspektiven

Edited By Sandro Bliemetsrieder and Susanne Dungs

Die Publikation diskutiert Chancen und Gefahren des Wandels von Kindheit in postindustriellen westlichen Gesellschaften. Dem Trend zur Funktionalisierung, der sich gegenwärtig beispielsweise in Kompetenzorientierung und Biologisierung zeigt, wird ein Begriff von Kindheit gegenübergestellt, der auf ‘Früheres’ (Moratorium) produktiv Bezug nimmt, ohne in eine einseitige Kulturkritik zu münden. Erziehung und kindlicher Eigensinn, Vernunft und Sinnlichkeit bedürfen eines offenen Randes, um nicht simultan von den Funktionalismen der Arbeitswelt adaptiert zu werden. Die Publikation sammelt die Vorträge und Diskussionen einer Ringvorlesung, die im Wintersemester 2010/11 an der Fachhochschule Kärnten stattfand und diesen Wandel von Kindheit in Gestalt eines Theorie-Praxis-Diskurses reflektierte.

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Entwicklung und Bewältigung im Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter

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Kindheit als gesellschaftliches Phänomen neu erfinden Uwe Gerber Kindheit müssen und können wir als gesellschaftliches Phänomen neu erfinden. Kindheit ist als bürgerliche Erscheinung in der postautoritären Optimierungs- und Leistungsgesellschaft im Verschwinden begriffen. Daher müssen wir Kind- heit retten durch Entdeckungsreisen durch die Welt der Kinder. Mit der Ökonomisierung unserer typisch westlichen, globalisierenden Ge- sellschaft wird das Kind immer mehr zum (Un-)Kosten- bis Verarmungsfaktor, weil es 15 bis 30 Jahre lang Investitionen verschluckt und mit der deutlichen Verlängerung der Jugendzeit zu wenig Rendite abwirft. Kindheit gerät in den Ruf, eine Zeit der Behinderung zu sein, der mit Erziehung, Bildung und Ausbil- dung aufgeholfen werden müsse ohne leistungsabstinente Umwege und Freizei- ten – und entsprechend droht immer mehr Kindern schon in den Windeln ein Leben im familialen und gesellschaftlich-sozialen Prekariat. Kinderzeit wird als vorgezogenes Leben auf Probe für die kapitalistische Funktionalisierung der Erwachsenen, der sogen. Leistungsträger, organisiert. Tausenderlei Angebote von funktionierendem Erwachsenwerden stehen bereit: von Dressurübungen wie ‚Rechnen kinderleicht gemacht‘, ‚Manager-Englisch für Zweijährige‘, ‚Ausma- len von Schablonen als Weg zum peniblen Technologen‘. Aber damit ver- schwimmt der Unterschied zwischen Kind und Erwachsenem durch eine gleichmachende (Un-)Kultur des erfolgreichsten Kapitalisten und Technokraten, durch eine Juvenalisierung bis Infantilisierung in Mode, Verhalten, Musikvor- lieben und Events, durch eine Gleichschaltung in Handy, TV, Internet und dabei in dem Zwang, sich permanent entscheiden zu müssen, um schließlich einem Erschöpfungssyndrom von der Kita bis zur Universität (und im...

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