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Stefano Guazzo «La Civil Conversazione» in der französischen Kultur des 16. und 17. Jahrhunderts

Helga Hübner

Mit Stefano Guazzos Dialog La Civil Conversazione erschien 1574 in Brescia ein Werk, das den Gesellschaftsfragen im Europa der Frühen Neuzeit entscheidende Impulse gab. Indem er alle sozialen Schichten in seine Überlegungen einbezieht, betont Guazzo das überständische Ideal einer umfassenden Kultivierung und Vervollkommnung des Menschen. Damit treibt er die Demokratisierung von Anstand und Bildung voran, die ihm als das geeignete Mittel der Verständigung zwischen den einzelnen sozialen Ständen und innerhalb derselben erscheinen. Er widerlegt Vorurteile, betont den Adel der Tugend und relativiert den Vorrang des Geburtsadels, um den menschlichen Beziehungen eine gerechte Grundlage zu geben. Der Schlüssel dazu ist die civil conversazione, der Guazzo eine moralische wie erkenntnisfördernde Kraft zuschreibt und diese im Verlauf seines Dialogs vorführt. Guazzo spielt im Kulturtransfer zwischen Italien und Frankreich eine herausragende Rolle, zu der in dieser Untersuchung erstmals präzise Informationen gegeben werden. Zudem wird gezeigt, wie Guazzos Vorstellungen in unterschiedlichen Strömungen des 17. Jahrhunderts ihren Niederschlag finden.

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III Stefano Guazzo und sein literarisches Werk

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1 Die Vorläufer des Werkes des Schriftstellers Stefano Guazzo In der Politik des Aristoteles, die unabhängig von der islamischen Rezeption im 13. Jahrhundert übersetzt wird,346 untersucht Aristoteles die Art und Weise der Ausübung der Macht im Hause und in der Stadt sowie die natürliche Gemein- schaft, die im Hause lebt. Dabei werden die Bereiche der „economia della casa“ von den Aktivitäten außerhalb des Hauses streng getrennt.347 Guazzo wird in sei- ner CC ebenso verfahren. Er behandelt im zweiten Buch die civil conversazione außerhalb des Hauses, im dritten Buch innerhalb des Hauses. Aristoteles stellt im ersten Buch der Ökonomie unter anderem verschiedene Regeln des Zusammen- lebens zwischen Mann und Frau dar. Das dritte Buch handelt im Besonderen von den Gewohnheiten und Eigenschaften einer guten Ehefrau und das Verhalten des Ehemanns gegenüber seiner Frau. Dieses sind Themen, denen sich Guazzo eben- falls widmet. In der Nikomachischen Ethik des Aristoteles finden sich neben Re- geln und Betrachtungen über das Familienleben, die Regeln der „virtù“ und des Gebrauchs des Reichtums.348 Auch dieses sind Themen, die Guazzo behandelt. Die Wissenschaft von Haus und Familie hatte bislang wenig Verbreitung ge- funden und erlangt ihre erste Verwirklichung in der häuslichen Regierung der Fürsten, das heißt in der Regierung des Hofes. Es entstehen Werke, die nach aristotelischem Muster dem christlichen Fürsten ein Lebensmodell und ein Ver- halten vorschlagen, das das Prinzip eines „buon governo“ zum Ziel hat.349 Erst im 16. Jahrhundert finden „etica“, „economica“ und...

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