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Befreiung aus gesellschaftlicher Unmündigkeit

Beiträge zur Geschichte und Theorie der Arbeiterbewegung

Joachim Perels

Die Befreiung aus gesellschaftlicher Unmündigkeit ist das Ziel der demokratischen Arbeiterbewegung. Diese Perspektive verbindet die Beiträge dieses Buches. Die Kritik am Kapitalismus, am Stalinismus und an der neo-liberalen Ideologie bildet den Interpretationsrahmen. Die mit dem Denken von Marx verbundene Tradition wird nicht unkritisch vergegenwärtigt. Aber der Satz von Marx, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist», behält richtungsgebende Bedeutung.

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Vorwort

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Die Befreiung aus gesellschaftlicher Unmündigkeit war seit dem 19. Jahrhundert das weitgesteckte Ziel der demokratischen Arbeiterbewegung. Diese Perspekti- ve, die von Karl Marx über Willy Brandt bis Oskar Negt reicht, verbindet die Beiträge dieses Buchs. Die Kritik am Kapitalismus, am Stalinismus und an der neoliberalen Ideologie bildet den Interpretationsrahmen. Die ökonomische Dynamik in der Endphase der Weimarer Republik trägt dazu bei, dass das kapitalistische System durch die Beseitigung der rechtsstaatli- chen Demokratie gerettet wird. Im Bündnis mit starken Kräften der privaten Wirtschaft gelingt es der Regierung Hitler, die Arbeiterbewegung, die wichtigste Opposition, auszuschalten, die der imperialistischen Politik entgegengestanden hätte. Die Folgen der diktatorischen Rettung des Kapitalismus waren außeror- dentlich. Die Staatsdoktrin des Antisemitismus diente als ideologisches Instrument zur „Erklärung“ der in der ökonomischen Krise zugespitzten gesellschaftlichen Ungerechtigkeit. Sie wurde, während das privatwirtschaftliche System fortexis- tierte, den Juden in die Schuhe geschoben. Die Politik auf der Basis der völki- schen Doktrin ging, beginnend mit dem Krieg Nazi-Deutschlands, mit der Ver- nichtung von Millionen Menschen über eine autoritäre Restabilisierung der ka- pitalistischen Ordnung in außerordentlichem Maße hinaus. Auch viele Gruppen von Arbeitern, die im Widerstand in der vordersten Linie standen, wurden im Konzentrationslager und im Zuchthaus physisch ver- nichtet. Diese Gruppen fehlten für den Neuaufbau nach 1945. Die zerstörerische Wirkung des NS-Systems für die personelle Rekonstituierung der Arbeiterbe- wegung wird exemplarisch am Schicksal Kurt Schumachers deutlich. Der erste Vorsitzende der SPD nach Kriegsende starb wenige Jahre...

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