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Die indigenen Völker Taiwans

Vorträge zur Geschichte und Gesellschaft Taiwans

Edited By Sonja Peschek

Dieses Buch enthält die Vorträge des interdisziplinären Workshops Geschichte und Gesellschaft Taiwans unter besonderer Berücksichtigung der Ureinwohner, der im Mai 2010 am Institut für Sinologie der Universität Wien und am Museum für Völkerkunde abgehalten wurde. Die Beiträge behandeln die Situation der indigenen Bevölkerung Taiwans, wie sie sich im Wandel der Zeit darstellt. Die Beiträge liefern den neuesten Forschungsstand zur Thematik und bringen einen interdisziplinären wissenschaftlichen Diskurs, der durch die Mitwirkung zweier indigener Forscherinnen aus Taiwan ein großes Maß an Authentizität mit sich bringt.

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Michael Rudolph: Taiwans multi-ethnische Gesellschaft und die postkoloniale Situation der Ureinwohner am Beispiel ihrer zeitgenössischen Rituale

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Michael Rudolph Taiwans multi-ethnische Gesellschaft und die postkoloniale Situation der Ureinwohner am Beispiel ihrer zeitgenössischen Rituale Einleitung Im Frühjahr 2002 konnten die Bewohner Hualians an der Ostküste Taiwans einer bemerkenswerten Aktion der hier lebenden Ami bei- wohnen.1 Nach einer nicht abreißenden Serie von Unglücksfällen auf einem städtischen Sportplatz kamen ca. zwanzig Schamaninnen und Schamanen dieser größten Ureinwohner-Ethnie Taiwans der Einladung der Lokalregierung nach und hielten auf dem Sportgelände ein zuvor nie beobachtetes Ritual ab. Mit Büscheln aus Ingwerblät- tern kehrten sie das Gelände von jenen unzufriedenen Geistern frei, die sich nach Darstellung der Hualianer Ausgabe der Tageszeitung Taiwan Times hier seit der massenhaften Besiedlung und Okkupati- on der Region durch Han 100 Jahre zuvor angesiedelt hatten.2 Meh- rere Schweine wurden rituell geschlachtet. Abschließend wurden die Medien von den anwesenden Politikern für ihren Einsatz mit Geld belohnt. Was hatte zu dieser bemerkenswerten Zusammenarbeit geführt? Handelte es sich hier wirklich um ein Eingeständnis von Taiwans Han, dass ihre Besiedlung von ursprünglichem Ureinwoh- nerland ein Unrecht war und sie dementsprechend den Zorn ander- sethnischer Götter auf sich gezogen hatten? War die Aktion tatsächlich ein Indiz dafür, dass ihr Schicksal in der Hand der Ureinwohner und ihrer Ahnengötter lag? Bevor ich später auf diese Fragen zurückkomme, möchte ich hier zunächst den Blick auf zwei Schlüsselbegriffe im Titel meines Beitrags lenken, den der Multi-Ethnizität und den der Postkolonia-...

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