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Zentralasien und die Weltmächte, oder: «Game Boys» auf Reisen

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August Pradetto

In dieser Studie werden die politischen, militärischen und ökonomischen Beziehungen zwischen Zentralasien und den Großmächten untersucht. Ausgangspunkt ist die mittlerweile zum Mainstream avancierte neorealistisch-geopolitische These, dass das Engagement der USA, Russlands, Chinas und der Europäischen Union vorrangig von machtpolitischer Konkurrenz und strategischen Interessen geleitet und ein neues Great Game um diese Region im Gange sei. Die empirischen Befunde widerlegen sowohl diese These als auch die Perzeption eines um sich greifenden Staatsverfalls in Zentralasien.

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5. Intraregionale Kooperation in Zentralasien 77

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76 4. Der Westen und Zentralasien Verabschiedung eines Aktionsplans zur Lösung internationaler Konflikte schei- terte ebenso wie eine Übereinkunft über ein beabsichtigtes Strategiepapier zur Reform der Organisation (vgl. Spiegel 2010). Resümieren lässt sich, dass die politischen und zivilgesellschaftlichen Ziele, die der Westen in Zentralasien nach der Unabhängigwerdung der fünf ehemals sowjetischen Republiken verfolgt hat, in einem nur geringen Ausmaß realisiert werden konnten. In dem Maße, wie sich autokratische Regime etablierten und festigten, stieg auch das Selbstbewusstsein der Machthaber in den jeweiligen Ländern. Da für den Westen nach „9/11“ sicherheitspolitische Zielsetzungen Vorrang hatten und nach der Invasion in Afghanistan eine zunehmende Abhän- gigkeit von der Nutzung militärischer Einrichtungen in Zentralasien entstand, gewannen die respektiven Regime zusätzlichen Spielraum und zusätzliche au- ßenpolitische Druckmittel. Vor diesem Hintergrund oszillierte die westliche Po- litik zwischen auf Demokratisierung gerichteten Bemühungen und Sicherheits- anliegen geschuldeten Konzessionen, mit zunehmender Neigung zu letzteren. Diverse internationale Organisationen, in die der Westen die zentralasiati- schen Länder einbinden und hierüber zusätzlich beeinflussen wollte, wurden umgekehrt von den Regimen in Zentralasien zur eigenen internationalen Auf- wertung und zur innenpolitischen Profilierung und Legitimitätsgewinnung ge- nutzt. Die „Internationalisierung“ der Kommunikation hatte vielfach nur zur Wirkung, dass die Argumentationsmuster der respektiven Regime flexibler im Sinne einer Anpassung an demokratische und integrative Rhetorik wurden. Zu- gleich war Zentralasien in der Realpolitik unter ökonomischen Aspekten trotz einer immer wieder im Diskurs betonten „zentralen Bedeutung“ der Demokrati- sierung dieser Länder sowie...

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