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Zentralasien und die Weltmächte, oder: «Game Boys» auf Reisen

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August Pradetto

In dieser Studie werden die politischen, militärischen und ökonomischen Beziehungen zwischen Zentralasien und den Großmächten untersucht. Ausgangspunkt ist die mittlerweile zum Mainstream avancierte neorealistisch-geopolitische These, dass das Engagement der USA, Russlands, Chinas und der Europäischen Union vorrangig von machtpolitischer Konkurrenz und strategischen Interessen geleitet und ein neues Great Game um diese Region im Gange sei. Die empirischen Befunde widerlegen sowohl diese These als auch die Perzeption eines um sich greifenden Staatsverfalls in Zentralasien.

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7. Fazit: Der begrenzte Einfluss internationaler Akteure auf Zentralasien und die These vom New Great Game 121

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7. Fazit: Der begrenzte Einfluss internationaler Akteure auf Zentralasien und die These vom New Great Game Nach dem Zerfall der Sowjetunion waren die 1990er Jahre von einer Phase der je individuellen Suche der 15 Nachfolgestaaten nach Antworten auf die neu ent- standene Lage geprägt. Anfangs war – nicht zuletzt in Russland selbst – zumin- dest an der Oberfläche ein massiver „Westtrend“ zu beobachten. Dies begann bei der Öffnung von Märkten und einer Hinwendung zur NATO und endete bei der Verabschiedung demokratischer Verfassungen, an denen vielfach westliche Experten mitgearbeitet hatten. Spätestens seit Mitte der 1990er Jahre gab es je- doch eine „Reorientierung“, und zwar sowohl innen- als auch außenpolitisch. Die wichtigste innenpolitische Konsequenz bestand in einer Verstärkung autori- tärer Praktiken. Eine außen- und regionalpolitische Konsequenz lag in der enge- ren Abstimmung und Kooperation der zentralasiatischen Länder sowie der Re- gionalmächte Russland und China. Diese Entwicklung spiegelte sich institutio- nell in der Gründung der Shanghai Five und deren Entwicklung zur Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) im Jahre 2001 sowie in anderen Be- mühungen institutioneller Kooperation (OVKS, EurAsEc u.a.). Die SOZ wurde für Russland, China, Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan und Tadschikistan zum wichtigsten Instrument multilateraler Bemühungen, die auf Sicherheit und Sys- temstabilität gerichtet waren. Nur die turkmenische Führung ging auf noch grö- ßere Distanz – nicht nur zum Westen, sondern auch zu den zentralasiatischen Nachbarn und auch zu Russland und China. Zur außenpolitischen Reorientierung in Zentralasien, Russland und...

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