Show Less

Was nach der Sintflut wirklich geschah

Die "Antiquitates</I> des Annius von Viterbo und ihre Rezeption in Deutschland im 16. Jahrhundert

Thomas Lehr

Der italienische Mönch Annius von Viterbo veröffentlichte 1498 eine große Sammlung antiker Texte, die Antiquitates. In diesen bisher für verschollen gehaltenen Quellen schildern babylonische, griechische und römische Historiker die Frühgeschichte der Menschheit, sie berichten uns, was unmittelbar vor und nach der Sintflut wirklich geschah. Dieser Stoff entwickelte sich in einer Zeit, die sich nach «uralter» Überlieferung geradezu sehnte, zu einem wahren Bestseller. Und das, obwohl es sich bei allen Texten um Fälschungen handelt. Dieses Buch erzählt erstmals umfassend die Geschichte der großartigen Fälschung des Annius und ihre Rezeption in Deutschland im 16. Jahrhundert.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

3.) Die Rezeption der „Antiquitates“ in Deutschland im 16. Jahrhundert

Extract

160 Die Rezeption in Deutschland a) Einleitung Möchte man noch einmal die Ergebnisse des ersten Teils dieser Arbeit in aller Kürze zusammenfassen, dann stellen die „Antiquitates“ - diese Sammlung pseudoantiker Texte mit entsprechenden Kommentaren – den Versuch dar, eine neue Geschichte der menschlichen Frühzeit zu schreiben. Im Zentrum dieser „neuen“ Menschheitsgeschichte stehen die Etrusker und ihre Hauptstadt Viterbo. Hier hat sich das ehrwürdige, auf göttliche Offenbarung zurückgehende Wissen vorsintflutlicher Zeiten am längsten und treuesten bewahrt; hier sind aber auch – beginnend mit dem pater omnium Noah – die Anfänge des Papsttums zu suchen, das die prisca sapientia der Urzeit letztlich bis in die Gegenwart bewahrt. Das Papsttum erhält durch diese Zurückführung auf den etruskischen König Noah eine ganz neue, weit über biblische Vorbilder hinausgehende Legi- timation. Da die „Antiquitates“ aber um den Kern dieser gewissermaßen etrus- kisch-viterbesische Papstgeschichte herum eine Vielzahl an Geschichten und einzelnen Daten über die gesamte Urgeschichte der Menschheit enthalten, konnte man sie von Anfang an auf ganz unterschiedliche Wei- se lesen. Gerade außerhalb der Toskana spielte das eigentliche Thema der „Antiquitates“ kaum eine Rolle. Zu interessant war der Entwurf ei- ner neuen Chronologie im Gesamten, zu verlockend aber auch die ein- zelnen „Nationalgeschichten“, die in den Büchern der „Antiquitates“ enthalten sind. Für die deutsche Rezeption im 16. Jahrhundert waren es naturgemäß die Informationen über das alte Germanien, denen besondere Beachtung geschenkt wurde. Es erscheint daher sinnvoll, die Untersuchung der deutschen Aufnahme und Benutzung...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.