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Vita Simplicii

Einsiedlerleben und Antoniusverehrung bei Grimmelshausen

Lars Kaminski

Eremitenfiguren sind im Werk Grimmelshausens von zentraler Bedeutung. So wird Simplicius nicht nur durch die Lehren eines Klausners nachhaltig geprägt, seine Autobiographie endet auch in kontemplativer Einsamkeit. Diese Studie ist eine umfassende Analyse des Mönchslebens Simplicii, das in der Continuatio und im Springinsfeld geschildert wird. Dabei stehen die Fragen im Mittelpunkt, nach welchen Vorbildern der «Monachus» gestaltet ist und wie Grimmelshausen das Eremitendasein für den Leser plastisch werden lässt. Als ein Grundthema tritt Grimmelshausens Auseinandersetzung mit Antonius Eremita hervor. Es zeigt sich, dass der Einfluss des Antoniuskultes auf die Romane Grimmelshausens ebenso berücksichtigt werden muss wie die Vita Antonii, will man das Eremitenleben Simplicii verstehen.

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VII. Schlussbetrachtungen 289

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289 VII. Schlussbetrachtungen 1. Vita Simplicii? Will man den Text eines Schriftstellers verstehen, der ein unverkennbares Ver- gnügen daran findet, das scheinbar Ernste und Wichtige durch hintersinnige Iro- nie der Lächerlichkeit preiszugeben, so bedarf es einer großen Aufmerksamkeit, großer Wachheit. Alle Signale – Anspielungen, verräterische Zweideutigkeiten, Übertreibungen etc. – müssen erkannt und miteinander verknüpft werden, damit die Interpretation nicht auf Abwege gerät. Scheint dieser Gedanke selbstver- ständlich zu sein, so wird ein Aspekt häufig nicht berücksichtigt: Hat man einen ironischen Text als solchen entlarvt, so genügt es nicht, die Signale und Brüche zu bemerken, man muss auch das Ende der Ironie, die gedachten Schlusszeichen der ironischen Rede zu lesen wissen.1 Der Simplicissimus Teutsch ist ein Wechselspiel aus Satire, Ironie und ernst- haften, vollkommen eindeutigen Stellungnahmen, in dem Grimmelshausen so- wohl den Wankelmut des Menschen mit allen Konsequenzen (d. h. Mord, Krieg, Hunger etc.) allgemein darstellt und karikiert, als auch das nur auf den ersten Blick kluge Handeln seines Titelhelden als lasterhaft und opportunistisch verur- teilt. In der Welt lässt er Simplicius nach den Regeln spielen, die man in der selbstischen und geldversessenen Gesellschaft Europas vorfindet. Folglich wird die Figur in ihrem Verhalten selbst zum Gegenstand der Kritik, da sie sich – ob- gleich sie nach christlichen Werten erzogen worden ist – mit der ‚Welt‘ arran- giert. Auf der Kreuzinsel aber findet eine solche Verurteilung des Simplicius nicht mehr statt. Der einstige Schelm weiß nun, dass er durch Gottes Gnade vor...

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