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Gute Sprache, schlechte Sprache

Sprachnormen und regionale Vielfalt im Wandel

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Michael Elmentaler and Ulrich Hoinkes

Die in diesem Band versammelten Beiträge tragen aus je unterschiedlicher Perspektive dazu bei, den Aspekt evaluierender Sprachbetrachtung in die wissenschaftliche Analyse sprachlicher Wirklichkeit zu integrieren. Das Konzept «Gute Sprache, schlechte Sprache» ist ein Element öffentlichen Sprachbewusstseins und Sprachhandelns – oft versteckt, aber fest mit den übrigen Triebfedern des Sprachwandels verbunden. Der Band vereinigt Beiträge aus den Disziplinen der Allgemeinen und Angewandten Sprachwissenschaften, der Latinistik, der Germanistik, der Anglistik, der Romanistik und der Frisistik. Er greift bis in die Sprachgeschichte des Altertums zurück und endet bei neuesten Entwicklungen der Chat-Kommunikation. Die Autorinnen und Autoren sind Mitglieder des Kieler Forschungszentrums «Arealität und Sozialität in der Sprache».

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Vorwort VII

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Vorwort Die Bewertung sprachlicher Formen nach den Kategorien ‚gut’ und ‚schlecht’ erscheint aus einer wissenschaftlichen Perspektive längst antiquiert. Ihr Anfang geht weit in die Geschichte zurück – als erste Sprachnormierungsversuche kön nen bereits die ersten Schriftsysteme der frühen Hochkulturen gelten. Eine e plizit normative Betrachtung von Sprache findet sich dann etwa in den Abhand lungen der griechischen Sophisten oder den lateinischen Grammatiken der Spät antike. Ein Nährboden der Sprachbewertung waren schließlich die Vorformen wissenschaftlichen Sprachdenkens seit dem Mittelalter, als sich die Volksspra chen in Europa gegenüber den klassischen Bildungssprachen in ihrem literari schen Wert legitimieren mussten. Dante schrieb Anfang des 14. Jahrhunderts in seiner Abhandlung De vulgari eloquentia höhnend von einem zu rauen Venezi anischen oder einem weibischen Romagnolischen, das seiner Meinung nach nicht im Entferntesten an die Güte des erhabenen Florentinischen heranreichte. Die Tradition der appreziativen und depreziativen Sprachbeurteilung spannt sich somit in einem langen Bogen von der Spätantike über das Mittelalter bis in die jüngere Vergangenheit und findet auch in der Aufklärung noch Legitimation und Unterstützung im wissenschaftlichen Diskurs. So werden in der großen französi schen Enzyklopädie beispielsweise die Sprachformen Südfrankreichs, die der okzitanischen Sprache zuzurechnen sind, als minderwertig klassifiziert und das Französische grundsätzlich über alle anderen lebenden Sprachen gestellt. Im deutschen Sprachraum wiederum wurde bis weit ins 18. Jahrhundert heftig dar über diskutiert, ob denn nun das Bairische, das Obersächsische oder das Hoch deutsche des norddeutschen Raumes...

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