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Gute Sprache, schlechte Sprache

Sprachnormen und regionale Vielfalt im Wandel

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Edited By Michael Elmentaler and Ulrich Hoinkes

Die in diesem Band versammelten Beiträge tragen aus je unterschiedlicher Perspektive dazu bei, den Aspekt evaluierender Sprachbetrachtung in die wissenschaftliche Analyse sprachlicher Wirklichkeit zu integrieren. Das Konzept «Gute Sprache, schlechte Sprache» ist ein Element öffentlichen Sprachbewusstseins und Sprachhandelns – oft versteckt, aber fest mit den übrigen Triebfedern des Sprachwandels verbunden. Der Band vereinigt Beiträge aus den Disziplinen der Allgemeinen und Angewandten Sprachwissenschaften, der Latinistik, der Germanistik, der Anglistik, der Romanistik und der Frisistik. Er greift bis in die Sprachgeschichte des Altertums zurück und endet bei neuesten Entwicklungen der Chat-Kommunikation. Die Autorinnen und Autoren sind Mitglieder des Kieler Forschungszentrums «Arealität und Sozialität in der Sprache».

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Thorsten Burkard: Vulgärlatein und Klassisches Latein 21

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Vulgärlatein und Klassisches Latein Thorsten Burkard Der Titel dieses Sammelbandes mag in einer Zeit anachronistisch klingen, in der die Linguisten gerne – und durchaus zu Recht – betonen, dass die Normierung von Sprache eigentlich nicht zu ihren Arbeitsfeldern gehöre, und diese Aufgabe daher kurzerhand an die Stilkritiker und Stilpäpste delegieren. Der Sprachwis senschaftler interessiert sich für die Entstehung und Etablierung von Normen, für ihre Verbreitung und ihren Geltungsbereich lediglich aus einem deskriptiven Interesse heraus. Hier nimmt nun die Klassische Philologie eine Sonderstellung ein, die sich aus der Geschichte dieser Disziplin ergibt: Der Altphilologe ist zugleich Sprach und Literaturwissenschaftler die institutionelle Trennung zwi schen diesen beiden Fachbereichen – für den Neuphilologen eine Selbstver ständlichkeit – ist ihm unbekannt. Aus diesem Grunde muss er sich als Litera turwissenschaftler – der er primär ist – notwendigerweise Gedanken über den Stil und somit auch über den Unterschied zwischen guter und schlechter Sprache machen. Dieser Opposition entspricht in der Latinistik ziemlich genau die Di chotomie zwischen dem Klassischen Latein und dem Vulgärlatein: die klassi sche Sprache eines Cicero ist ‚gut‘ und wird an der Universität als Stilvorbild gelehrt, die Umgangssprache des kleinen Mannes, die schlielich zu den roma nischen Varietäten führte, ist allenfalls eine verderbte Abart, ein Produkt der Degeneration – und somit schlecht. Diese Dichotomie ist in der Metasprache des Faches so geläufig und selbstverständlich, dass sie eine begriffliche Objektivität vorspiegelt, die de facto nicht vorhanden ist. Der folgende Beitrag versucht da her, der Frage...

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