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Gender und nationale Identität im Westsahara-Konflikt

Implikationen für saharauische Frauen und weiblichen Aktivismus

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Maria Mayrhofer

Die Arbeit wurde 2011 mit dem Nachwuchspreis der Österreichischen Gesellschaft für Politikwissenschaft (ÖGPW) ausgezeichnet.
Seit mittlerweile mehr als 35 Jahren kämpft die Bevölkerung der Westsahara für ihre Unabhängigkeit und gegen den Gebietsanspruch Marokkos auf das Territorium. Die saharauischen Frauen nehmen dabei eine ganz wesentliche Rolle ein – sowohl im Widerstand als auch bei der Organisation des täglichen Lebens in den Flüchtlingslagern, wo die Mehrheit der Saharauis lebt. Die Analyse des Verhältnisses zwischen Gender, nationaler Identität und Konflikt gibt Aufschluss über die multidimensionale Konstruiertheit saharauischer Weiblichkeit, die nicht selten im Widerspruch zur Lebensrealität der Frauen steht. Dabei werden sowohl Momente der Öffnung des Handlungsspielraums für Frauen als auch Tendenzen zu einer möglichen Remaskulinisierung identifiziert.

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5. Saharauische Frauen und nationale Identität im Westsahara-Konflikt

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Die saharauische Kulturministerin und ehemalige Generalsekretärin der saha- rauischen Frauenmassenorganisation „National Union of Saharawi Women“ (NUSW), Khadija Hamdi, beschrieb die Situation der saharauischen Frauen in einem Presseinterview folgendermaßen: „Aufgrund der Vertreibung und der Bombardierungen sowie des Flüchtlingsalltags in der Wüste haben saharauische Frauen ganz besondere Erfahrungen, die sich mit der Gender-Politik in anderen Ländern nicht vergleichen lassen. Sie sind Trägerin- nen der Revolution, heute hoch qualifiziert, sie stellen 33 Prozent der Abgeordneten im Parlament. Die saharauische Gesellschaft ist offen und tolerant, es ist eine islami- sche, arabische und afrikanische Gesellschaft mit ihren Besonderheiten im Vergleich zu Algerien, Marokko oder Libyen.“ Die große Bedeutung der Folgen des Konfliktes, der Gender-Politik bzw. des Geschlechterverhältnisses sowie der nationalen saharauischen Identität für die saharauischen Frauen wird in diesem Zitat deutlich. Die vorab diskutierte Drei- ecksbeziehung zwischen den einzelnen Komponenten soll nun um weiterführen- de theoretische Ansätze sowie empirische Befunde aus dem Leben der saharaui- schen Frauen erweitert werden, um diese im Spannungsfeld zwischen Gender und Nationalismus im Westsahara-Konflikt verorten zu können. 5.1 Remaskulinisierung vs. Stärkung weiblichen Handlungspotenzials Wie schon zuvor erwähnt, wird vielfach davon ausgegangen, dass sich das Handlungspotenzial von Frauen durch die Dreiecksbeziehung zwischen Gender, nationaler Identität und Konflikt erhöhen kann. Auch die empirische Forschung liefert viele Beispiele, die diese These bestätigen: „In examining revolutions and 14 Hervé, Florence (2009b): Wenn ein Alter stirbt, verschwindet eine Bibliothek. Gespräch mit Khadija Hamdi, saharauische Kultusministerin. Über...

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