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Euphemismen des Wirtschaftsdeutschen aus Sicht der anthropozentrischen Linguistik

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Pawel Bak

Die Arbeit untersucht die Präsenz von Euphemismen in wirtschaftsdeutschen Diskursen. Anhand der analysierten Fachpressetexte über die Finanz- und Wirtschaftskrise im Zeitraum von 2007 bis 2011 werden Funktionen und Formen des Euphemisierens in einem kommunikativen Bereich diskutiert, der unter diesem Gesichtspunkt bislang als Terra incognita gelten darf. In der sprachtheoretischen Reflexion werden für die Betrachtung der Euphemismen relevante Kriterien herausgearbeitet. Den Zugang zum Untersuchungsgegenstand bietet die anthropozentrische Linguistik von Franciszek Grucza. Zu den zentralen Ideen dieses Ansatzes gehören u. a. die Einbeziehung des Sprachbenutzers in die einschlägige Diskussion sowie die Frage nach dem ontologischen Status von Sprache.

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2. Relativität des Euphemismus

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2.1. Inflationierung oder Bedeutungswandel? Die Tatsache, dass Wörter oder Wendungen ihre euphemistische Funktion nicht mehr ausüben können, berechtigt uns dazu, in Bezug auf Euphemismen von einer Inflationierung zu sprechen. Andreas Bohlen konstatiert hierzu: In der Regel deutet sich durch einen Eintrag im Wörterbuch an, daß ein Euphemismus auf dem besten Wege ist, allenfalls noch beschönigend, verhüllend wirken zu können. Das „Verblassen“ dürfte rasch einsetzen und einen neuen Euphemismus i. e. S. für die Bezeichnung desselben Begriffes notwendig machen. Dies trifft insbesondere auf die politischen Euphemismen zu, da hier das Verblassen i. a. schneller vor sich geht als bei- spielsweise bei allgemeinsprachlichen Ausdrücken. (Bohlen 1994: 115) Wörter und Wendungen, die in den vorangehend angesprochenen Wörterbüchern erfasst wurden (z.B. jmdm. Gewalt antun, Euthanasie oder Erotik (s. Kapitel 1.5)), können zweifelsohne als direkte Bezeichnungen von Sachverhalten empfunden werden.110 Vielen Autoren von Arbeiten über die Euphemismen kann allerdings vorgehalten werden, dass sie in ihren Darstellungen die Euphemismen pauschal betrachten und geradezu alle undifferenziert zu verblassten Bildungen werden las- sen. Unbeachtet bleibt dagegen die Möglichkeit, dass „euphemistisch“ gebrauchte Ausdrücke (sofort) ins Gegenteil umschlagen und ein Euphemismus beispielsweise diffamierend wirkt. In diesem Sinne möchte ich die allgemein vertretene Sichtwei- se bestreiten, der zufolge die euphemistische Bedeutung im Laufe der Zeit verblasst oder „zum Teil“ verloren geht (s. z.B. Bohlen 1994). Man kann hierzu ebenso gut erwarten, dass ein Euphemismus direkt nach der Artikulierung von einem anderen Rezipienten als nichteuphemistisch...

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