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Der Antijudaismus auf dem Weg vom Judentum zum Christentum

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Peter Landesmann

Anhand der Geburt Jesu durch die Jungfrau Maria werden die in der Zeitenwende in Palästina vorhandenen Geisteshaltungen dargestellt und die in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten aufgetretenen deuteronomistischen, weisheitlichen, apokalyptischen und hellenistischen Tendenzen berücksichtigt. Das Wirken von Jesus wird im Einklang mit seinem Judentum beschrieben und seine Kreuzigung durch die damals herrschende und später revidierte Ansicht über einen Messias erklärt, der gewaltsam zu seiner Herrschaft gelangen sollte. Die Loslösung der Jesusanhänger vom Judentum und der darauf folgende innerchristliche Konflikt begründet die antijudaistische Haltung maßgebender Kirchenväter. Diese sahen in der Beibehaltung jüdischer Bräuche der Judenchristen eine Gefahr für die Einheit des Christentums, das schon im zweiten Jahrhundert von den Christen dominiert wurde, die aus dem Heidentum stammten. Diese Einstellung gegen die judaisierenden Christen führte dann zu den antijudaistischen Aussagen christlicher Theologen.

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30. Das Christentum das wahre Israel?

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Aussagen der Hebräischen Bibel wurden in der christlichen Lehre auf das Neue Testament hin gedeutet. In den Augen der Christen wurde dadurch dem Juden- tum seine theologische Grundlage entzogen, da die Hebräische Bibel keinen Eigenwert mehr besaß. Sie wurde lediglich als „Verheißung“ gesehen, die im Neuen Testament ihre „Erfüllung“ gefunden hat. Die Deutung der Aussagen der Hebräischen Bibel in Hinblick auf das Neue Testament wurde „Typologie“ genannt und Kirchengelehrte überboten sich im Auffinden solcher Typologien. Die Typologie bildete eine Klammer zwischen der Hebräischen Bibel und dem Neuen Testament und wurde als Beweis gewer- tet, dass das Christentum das „wahre Judentum“ verkörpert. Damit Hand in Hand ging die Bezeichnung des Judentums als „Spätjudentum“, dessen Existenz keine theologische Berechtigung hatte, da die Hebräische Bibel nur aus dem Gesichts- punkt des Neuen Testamentes verständlich und gültig ist. Die Hebräische Bibel wurde lediglich als Zeuge für die Richtigkeit der christlichen Lehren gesehen. Von den Christen wurde diesem Zeugnis umso größeren Wert beigemessen, weil es von ihren Gegnern, den Juden stammt. Schon Paulus bedient sich solcher Typologien, wie z. B. in Gal 4,22-26.: „In der Schrift wird gesagt, dass Abraham zwei Söhne hatte, einen von der Sklavin, den andern von der Freien. Der Sohn der Sklavin wurde auf natürliche Weise gezeugt, der Sohn der Freien aufgrund der Verheißung. Darin liegt ein tieferer Sinn: Diese Frauen bedeuten die beiden Testamente. Das eine Testament stammt vom Berg Sinai und...

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