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Visualisierungen des Umbruchs

Strategien und Semantiken von Bildern zum Ende der kommunistischen Herrschaft im östlichen Europa

Edited By Ana Karaminova and Martin Jung

Welche Schwierigkeiten und Möglichkeiten der visuellen Darstellung verbinden sich mit dem Ende der kommunistischen Herrschaft im östlichen Europa? Welche Bilder aus der Umbruchzeit wurden wann und wie zu Ikonen? Wie werden Bilder aus der Umbruchzeit mit künstlerischen Bearbeitungen danach verknüpft? Ausgehend von diesen Leitfragen behandeln die Beiträge dieses Bandes verschiedene Länder und untersuchen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven verschiedenartige Medien(formate), die von Filmen, Musikclips und Presse-Bildern bis zu Kunstwerken und musealen Darstellungen reichen. Damit zeigen die Beiträge die vielfältigen Anknüpfungspunkte des Themas auf und machen den Facettenreichtum der Frage nach «Visualisierungen des Umbruchs» deutlich.

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Mit den Wölfen heulen: Animalisierte Phantasien des politischen Umbruchs seit 1989. Susann Neuenfeldt

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115 Mit den Wölfen heulen: Animalisierte Phantasien des politischen Umbruchs seit 1989 Susann Neuenfeldt Don’t cry wolves Am 4. November 1989 fand in Berlin eine der größten und letzten Protestaktio- nen in der politischen Geschichte der DDR statt. Hunderttausende Demonstran- ten und Demonstrantinnen zogen durch die Straßen der Ostberliner Innenstadt. Sie forderten Presse- und Versammlungsfreiheit und radikale Reformen der DDR ein. Zum Abschluss der Demonstrationen fand auf dem Alexanderplatz ei- ne Kundgebung statt, auf der DDR-Intellektuelle und KünstlerInnen wie Heiner Müller, Christa Wolf und Ulrich Mühe Reden hielten. Diese Kundgebung wurde live im DDR-Fernsehen ausgestrahlt. Bis heute ist dieses historische Ereignis in den verschiedensten Formaten visualisiert worden wie etwa in Photographien, Karikaturen, Performances, Videolinks oder auch in einem Hörspiel, bei dem die Bilder der Kundgebung vor dem inneren Auge der ZuhörerInnen ablaufen. Diese verschiedenen Bebilderungen des 4. November 1989 sind unmittelbarer Teil der ostdeutschen ikonographischen Tradition geworden. Ein Bild, das in diesem Zu- sammenhang immer wieder auftaucht, zeigt den Demonstrationszug (Abb. 1). Auf dem Photo sieht man die DemonstrantInnen, die sich in der Mitte des Alexanderplatzes versammelt haben. Im Hintergrund erkennt man die Weltzei- tuhr, ein Ostberliner Wahrzeichen. Zwei DemonstrantInnen in der ersten Reihe halten ein riesiges Plakat in die Höhe. Dieses Plakat ist von zwei Hochhausblök- ken eingerahmt. Auf dem Plakat erscheint der damals amtierende DDR-Staats- chef Egon Krenz als Wolf in der Gestalt von Rotkäppchens Großmutter. Die Plakatunter- beziehungsweise die Plakatinschrift lautet: „Großmutter, warum hast...

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