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Literatur und die anderen Medien

Romanistik in Freiburg – eine Zwischenbilanz

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Walter Bruno Berg, Frank Reiser and Chiara Polverini

Auch die Literatur ist ein Medium, eines unter anderen Medien. Ausgehend von der für die Wahrnehmung unserer Kultur entscheidenden Feststellung der sogenannten «Medien-Konkurrenz» kommt dieser Freiburger Tagungsband in seinen Beiträgen zu vielfältigen Perspektiven. Vorrangig ist das Interesse an den anderen Medien, von den traditionellen Medien – der Grafik, der Presse, dem Film oder Comic – bis hin zum Theater, zur TV-Liveberichterstattung, zur Musik oder zu Rap und Slam, sowie zu guter Letzt zur schieren Unendlichkeit der Intertexte, wie sie das kulturelle Gedächtnis in den Filmen Almodóvars, im lateinamerikanischen Gegenwartsroman oder in der Prosa Claude Simons bereit hält. Angesichts der Breite der Fallstudien über die drei romanistischen ‘Kernfächer’ hinweg erweist sich insbesondere die Frage nach der Methodik bei der Auseinandersetzung mit Literatur im medialen Umfeld als roter Faden dieses Bandes.

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TRANSKRIPTION UND MEDIALITÄT

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La fuerza ciega: Zur sprachlichen und medialen Konstruktion eines transnationalen Kulturraums Rolf Kailuweit Zusammenfassung: Das Drama La fuerza ciega („Die blinde Kraft“) von Vicente Martínez Cuitiño (1887–1964) handelt von der Unausweichlichkeit des Schicksals, das nicht nur eine Einwandererfamilie in den Abgrund reißt, sondern, gleichsam auf der Meta- ebene, unaufhaltsam die Ausdifferenzierung des Rio-de-la-Plata-Raums als eines eigenständigen Kulturraums betreibt. Ausgehend von einer für das sainete criollo typischen Milieustudie versucht Martínez Cuitiño, im Genre des bürgerlichen Dramas spanische Sprache und französischen Geist zu vereinen und ein rioplaten- sisches Theater zu erschaffen, das dem europäischen auf Augenhöhe begegnet. Die Bedeutung des Stückes ist nur als multimediales Zusammenwirken von Auffüh- rungspraxis (in Buenos Aires, Paris und an anderen Orten) und Presseecho zu er- fassen. Eine rein textimmanente Herangehensweise an La fuerza ciega, etwa auf der Grundlage der Originalausgabe von 1932, würde der Tatsache nicht gerecht, dass das Stück seine Wirkung allein in Form einer Kette von Transkriptionen ent- faltet. Der gedruckte Text ist nur eine späte Folge verschiedener Theaterereignisse, die mit der Premiere 1917 beginnen und mit der Pariser Aufführung 1921 einen Höhepunkt erreichen. Der Presse kommt die Funktion zu, diese Ereignisse nicht nur mit vorzubereiten, sondern vor allem sie aufzuheben für diejenigen, die nicht Augen- und Ohrenzeugen werden konnten. Summary: The play La fuerza ciega (“The blind force”) by Vicente Martínez Cuitiño (1887– 1964) deals with the inescapability of fate, simultaneously...

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