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Imaginationen der inneren Welt

Theologische, psychologische und ästhetische Reflexionen zur spirituellen Dimension der Kunst

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Edited By Wilhelm Gräb and Jérôme Cottin

Die zeitgenössische Kunst ermöglicht religiöse Erfahrung. So ist zu beobachten, dass die Kirchen ihre Räume dem künstlerischen Schaffen der Gegenwart öffnen. Sie integrieren die ästhetische Ausdruckskultur unserer Zeit in den religiösen Raum wie auch in die gottesdienstliche Feier und gestalten sie auf diese Weise um. Die Beiträge dieses Bandes reflektieren diese dialektische Bewegung. Sie leisten damit einen theoretischen Beitrag zur Praxis einer neuen Religionsästhetik, in der die spirituelle Dimension der Kunst ebenso Anerkennung finden soll wie die ästhetische Dimension der Religion.

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Wilhelm Gräb: Kann die zeitgenössische Kunst Gott verkündigen? Die Schreiter-Fenster in St. Jakobi in Göttingen

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Kann die zeitgenössische Kunst Gott verkündigen? Die Schreiter-Fenster in St. Jakobi in Göttingen Wilhelm Gräb, Berlin 1. Was der Fensterzyklus von Johannes Schreiter zu sehen gibt Im nördlichen Seitenschiff von St. Jakobi in Göttingen wurden 1997/98 fünf Farbfenster nach Entwürfen von Johannes Schreiter eingesetzt.1 Schreiter gilt als einer der bedeutendsten Glaskünstler des 20. Jahrhunderts.2 Eine Besonderheit seiner Fenster für St. Jacobi in Göttingen liegt darin, dass er hier einen ganzen Zyklus hat gestalten können. Schreiter malt nicht identifizier- bare Geschichten, sondern interpretiert einen dunklen Text, den 22. Psalm. Je- sus, am Kreuz hängend, hat diesen Psalm mit den Worten gebetet: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matthäus 27,46). Der Psalm ist fünfgliedrig und handelt von Verlassenheit, Tod, Gebet, Gemeinde, Auferstehung. Johannes Schreiter hat diese fünf „Strophen“ oder „Akte“ (liest man den Psalm als Dra- ma) nicht abgebildet, sondern in seine Sprache übersetzt: Farben und Formen, Linien und Licht. So ist ein Kunstwerk entstanden, das den Psalm neu zum Sprechen bringt. Doch man muss den Psalm nicht kennen, damit die Lichtbilder 1 Vgl. die Beschreibung durch Pastor Dirk Tiedemann, seinerzeit Pfarrer an St. Jakobi und Initiator der Kooperation mit Johannes Schreiter, die schließlich zur Installation des Fensterzyklus führte: http://www.jacobikirche.de/ (Letzter Abruf 29.12.10). 2 Zur theologischen Interpretation der Glasmalerei von Johannes Schreiter vgl. Ger- cke/Volp (1988); Sundermeier (2005). 42 Wilhelm Gräb sprechen. Das Kunstwerk kommt ohne Worte aus; nur Farben...

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