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Die Naturbeschreibung im «Journal» von Henry David Thoreau

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Wilfried Koch

Die Arbeit geht der Frage nach, wie das Tagebuch als Textformat und Schreibort in Verbindung mit der Beschreibung die Erforschung, Darstellung und Erfahrung von Natur und Landschaft prägt. Unter Einbeziehung von Konzepten der kognitiven Narratologie sowie räumlich-visueller und transmedialer Aspekte werden in textnahen Analysen strukturelle Probleme des beschreibenden Textes (Metapher, Metonymie) und Verfahren des Rekonstruierens und Simulierens von Naturerfahrung als Umsetzung von Wahrnehmung in Text erörtert. Das Journal von Henry David Thoreau erweist sich als Versuch, auf der Basis der Naturästhetik des Picturesque durch schreibend-reflektierendes Erinnern eine zur Entdeckung befähigte Form von Subjektivität als verdichtetes Gewahrsein von Welt- und Selbsterfahrung in wechselnden Außen- und Innenansichten zu projizieren.

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Kapitel 5: Beschreibung und Erinnerung

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5.1 Erinnerung im Journal Das Tagebuch ist ein textuelles Medium, das zu Erinnerndes fixiert für den Au- genblick der Niederschrift und eine zukünftige Vergegenwärtigung durch Lesen. Schreiben produziert Erinnerung, wie das Beschreiben den Gegenstand, seine Er- scheinung und die Mittel seiner Darstellung reflektiert aus der zeitlichen wie me- dialen Differenz der Schrift. Im Akt des Schreibens liegt bereits ein Moment des Rekonstruierens und Gedenkens an Vergangenes, in dem sich ein Subjekt seiner selbst und vergangener Erfahrung erzählend bewußt wird. Daraus ergibt sich eine doppelte, alle drei Zeitstufen verschränkende Zielrichtung des Erinnerns beim Schreiben. Vergangene Erfahrung wird im Eintrag in Berichtform festgehalten, betrachtet aus der Gegenwart des Schreibens, wobei die Ereignisse nicht direkt dem Erleben entspringen sondern narrativ überformt, gefiltert und genrespezifisch formatiert sind, wenn sie vom Schreibtisch aus gesehen in den Text aufgenommen werden mit dem Erzähler in der Doppelrolle des Involvierten und des erklärenden Chronisten. Der Zeitpunkt der Niederschrift wird als besonderer Moment schrei- bender Sammlung und Reflektion kalendarisch dokumentiert und davon ausge- hend das Erlebnis retrospektiv dargestellt. Neben der Perspektive des Rückblicks impliziert der Schreibakt eine narrativ gelenkte Dimension zukünftigen Erinnerns durch Lesen. Das Medium bedingt somit ein doppeltes Moment zeit-räumlicher wie konzeptueller Verschiebung auf der Zeichenebene, die eine Versetzung und Erweiterung des Bewußtseins des figurierten Selbst gestattet. Da mit jedem Ein- trag die Reflektion von Erfahrung durch die Persona neu ansetzt, erfolgt das Erin- nern als vergleichendes Gegenüberstellen von Bildansichten in subjektiv-ästheti- sierender...

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