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Dänemarks und Deutschlands Kultursolidarität über Grenzen

2., erweiterte Auflage

Christian Gellinek

Der Dänische Gesamtstaat ergriff während des 18. und 19. Jahrhunderts Maßnahmen von Kulturpatronage, die sich auch auf den Landesteil Schleswig-Holstein bezogen. Die Kopenhagener Regierung gewährte trotz eigener Finanzschwierigkeiten regelmäßig Stipendien an begabte Studenten und Künstler, so daß sie ihr Talent im Ausland weiterbilden konnten und so dem Vaterland von Nutzen sein würden. Entsprechend hieß dieser königliche Privatfonds ad usus publicos. Diese spendable Schatulle stand allen Landeskindern und manchmal auch Ausländern offen, ob sie gut Dänisch sprachen oder nicht. Im Allgemeinen herrschte bei der Vergabe Gleichheit zwischen den Landesteilen und den gebräuchlichen Landessprachen Dänisch und Deutsch. Einerseits liegt dieser elitären Kulturpatronage eine Loyalität zum Königshaus (das u.a. auch deutsche Wurzeln hatte) zugrunde, die nicht von der vollen Beherrschung des Dänischen abhing. Andererseits beruhte sie auf der Wahrheitssuche in sprachunabhängigen Fragen der Wissenschaften und der Ästhetik. Diese Solidarität zwischen Regierung und Untertanen bewährte sich lange Zeit und hielt bis etwa 1840 an. Die Essays in diesem Band werden, um leichter lesbar zu bleiben, in einem allgemein-verständlichen Ton gehalten. Geschrieben wurden sie für Dänemarkfreunde, Schleswig-Holstein-Fans, Grenzgänger, Lehrer und Studenten auf beiden Seiten, aber auch Neugierige, die bisher nicht über den Zaun des politischen Kauderwelschs hinaus horchen konnten. Hier sollen die Leser in einer verbesserten und erweiterten Auflage angeregt und zu einem virtuellen Dänemarkbesuch ermuntert werden.

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IV. Spannungen bis zur Abtrennung: Durch Preußens Ingloria

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10. Theodor Olshausen nach St. Louis Es war ein großer wirtschaftlicher Segen für das einst von König Chris- tian IV. auf der holsteinischen Elbseite gegründete stedeken Glückstadt, dass 1845 die Eisenbahnverbindung Altona-Elmshorn-Kiel an die Reißbrettstadt angeschlossen wurde. Später wurde diese „Querlinie“ im Interesse des Verkehrs nach Kopenhagen durch eine „Längslinie“ im Interesse der Schleswig-Holsteinischen Westküste nach Tondern ausge- dehnt und verlängert. Ein berühmter Sohn Glückstadts noch aus der dänischen Zeit ist der Jurist, Redakteur und Politiker, Zeitungsverleger und Buchautor, der spätere Eisenbahndirektor Theodor Olshausen. Heute heißt nach ihm die Achsenstraße, die in nordwestlicher Richtung verlaufend die Innen- stadt Kiels an den Hauptcampus der Christian-Albrechts-Universität anbindet. Die wenigen Studenten, die ich auf dem Kieler Campus nach ihm gefragt habe, kannten ihn nicht. Theodor Olshausen wurde 1802 als Sohn eines lutherischen Pastors in Glückstadt, einer Einwande- rungsstadt, geboren und starb unverheiratet in Hamburg 1869. Fried- rich Hebbel nannte den vierzigjährigen Verleger und Advokaten res- pektlos „ein kleines blasses Männchen mit einer unangenehm einge- drückten Nase“ [zitiert nach Horst Joachim Frank], während dem Ver- fasser dessen Physiognomie auf einer Abbildung dieser Zeit besonders energisch und kraftvoll erscheint. Die Kieler Zeitung widmete ihm in drei nachfolgenden Aprilnummern 1869 einen ehrenvollen Nachruf. Olshausen studierte in Jena Rechtswissenschaften einschließlich des Kirchenrechts und trat einer Burschenschaft bei. Er spielte bei dem Wartburgfest von 1817 eine gewisse Rolle und wurde seitdem der De- magogie verd...

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