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Arthur Stadthagen – Anwalt der Armen und Rechtslehrer der Arbeiterbewegung

Biographische Annäherungen an einen beinahe vergessenen sozialdemokratischen Juristen

Holger Czitrich-Stahl

Arthur Stadthagen (1857-1917) war als erster sozialdemokratischer Jurist im Deutschen Reichstag am Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) beteiligt, das am 1. Januar 1900 in Kraft trat und nach der Reichseinheit von 1871 die Rechtseinheit herstellte. Zu wichtigen Rechtsfragen verfasste Stadthagen populäre Stellungnahmen. Seine Rechtsratgeber Das Arbeiterrecht (1895) und Führer durch das Bürgerliche Gesetzbuch (1900) wurden zu Bestsellern. Er vertrat den Wahlkreis Potsdam 6 Niederbarnim von 1890 bis 1917 im Parlament. Außerdem lehrte er an der Parteischule der SPD. Stadthagen gehörte dem marxistischen Parteizentrum um August Bebel und Karl Kautsky an. Darüber hinaus galt er als ein Freund Rosa Luxemburgs. Nach seinem Ausschluss aus der SPD 1917 zählte er zu den Mitbegründern der USPD.

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Zwölftes Kapitel: Zwischen Reichstagswahl, Revisionismusdebatte und russischer Revolution: die Jahre 1903-1905

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Am Vorabend der Reichstagswahlen Der Wahlkampf für die Reichstagswahl des Jahres 1903 begann im Grunde bereits im Frühjahr 1902 mit der strategischen Festlegung der Partei- und Fraktionsspitze, durch Obstruktion das heftig umstrittene Thema der Lebensmittelzölle zum Hauptthema der Reichstagswahlkampfes zu machen. Die Massenaktionen der Jahre 1901 und 1902 for- mierten den Hintergrund für diese Herangehensweise. Doch auch die Konservativen schienen zu ahnen, dass ihre Aktivitäten im Wahlkreis Niederbarnim, sollten sie auch nur den Hauch einer Erfolgsaussicht besitzen, sehr früh beginnen mussten. Die Kreiskonferenz der Niederbarnimer Sozialdemokratie nominierte am 24. August 1902 einstimmig Arthur Stadthagen erneut zum Reichstagskandidaten. Stadthagen rief die Partei zu einer großen Energieleistung auf, da die Konservativen alles versuchen würden, nach drei Niederlagen den Wahlkreis zurückzuerobern.1581 Diesem Zwecke sollten die in- tensivierte politische Einbeziehung von Gewerkschaftsmitgliedern sowie die gezielte Thematisierung des Vorgehens der Polizei in der Region gegen die Arbeiterbewegung in der mündlichen Agitation dienen.1582 Auch die Rede zum Justizetat am 24. März 1903 sprach genau jene Vorwürfe gegen die Polizei und die Obrigkeit aus, die öffentlich ge- macht werden sollten: Das Spitzelwesen, die Eigenmächtigkeit der Staatsanwaltschaften, die Arroganz der Mächtigen, das Übergehen geltender Rechtsnormen wie im Falle des „parlamentarischen Staatsstreiches“ vom 27. November 1902, die Begünstigung dieser Maßnahmen durch die Obrigkeit.1583 Doch auch der Hauptgegner der Sozialdemokratie im Niederbarnim, die Konservativen, begann bereits im Herbst 1902 mit seinen Wahlkampfvorbereitungen. So lud der „Con- servative Wahlverein des Kreises Niederbarnim“ für den...

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