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Arthur Stadthagen – Anwalt der Armen und Rechtslehrer der Arbeiterbewegung

Biographische Annäherungen an einen beinahe vergessenen sozialdemokratischen Juristen

Holger Czitrich-Stahl

Arthur Stadthagen (1857-1917) war als erster sozialdemokratischer Jurist im Deutschen Reichstag am Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) beteiligt, das am 1. Januar 1900 in Kraft trat und nach der Reichseinheit von 1871 die Rechtseinheit herstellte. Zu wichtigen Rechtsfragen verfasste Stadthagen populäre Stellungnahmen. Seine Rechtsratgeber Das Arbeiterrecht (1895) und Führer durch das Bürgerliche Gesetzbuch (1900) wurden zu Bestsellern. Er vertrat den Wahlkreis Potsdam 6 Niederbarnim von 1890 bis 1917 im Parlament. Außerdem lehrte er an der Parteischule der SPD. Stadthagen gehörte dem marxistischen Parteizentrum um August Bebel und Karl Kautsky an. Darüber hinaus galt er als ein Freund Rosa Luxemburgs. Nach seinem Ausschluss aus der SPD 1917 zählte er zu den Mitbegründern der USPD.

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Sechzehntes Kapitel:Vom Wahltriumph bis zum Attentat von Sarajevo (Januar 1912 bis 28. Juni 1914)

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558 rend der Marokkokrise und verteidigte die Massenaktionen der Sozialdemokratie gegen die Kriegsgefahr. Allerdings sprach er sich gegen die Anwendung des Massenstreiks im Kriegsfall aus.2332 Beißenden Spott über diese Haltung äußerte Rosa Luxemburg in einem Brief an Franz Mehring, in dem sie schrieb, dass sie den Massenstreik und die militärische Gehorsamsverweigerung verteidige und das Verhalten der Fraktion scharf kritisiere, „und überall stimmen die Massen geradezu demonstrativ, stürmisch zu. Das zeigt doch,...daß die Massen viel besser sind als die parlamentarischen Kretins, die sich für ihre Führer hal- ten“.2333 Da wegen der Reichstagswahlen in diesem Herbst keine Parteischulkurse stattfanden2334, äußerte sich Rosa Luxemburg zur bevorstehenden Wahlauseinandersetzung kritisch: „Da- für möchte ich ungestört arbeiten können, und die Wahlagitation hängt mir im voraus zum Halse heraus. Man soll sich noch die Kehle heiser reden, damit möglichst viele Tep- pe in den Reichstag hineinkommen und dort den Sozialismus zum Hohn machen.“2335 Offenbar erwartete Rosa Luxemburg nicht nur einen sozialdemokratischen Wahlerfolg an sich, sondern vor allem eine Stärkung des gemäßigten Flügels zumindest in der Reichstagsfraktion. Sechzehntes Kapitel: Vom Wahltriumph bis zum Attentat von Sarajevo (Januar 1912 bis 28. Juni 1914) Die Zeit von der Reichstagswahl 1912 bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges stellt zweifellos eine der dramatischsten Perioden in der Geschichte der Arbeiterbewegung dar. Lediglich zweieinhalb Jahre trennten die Sozialdemokratische Partei Deutschlands seit ih- rem bis dahin größten Wahlerfolg in ihrer Geschichte von der verhängnisvollen...

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