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Islam und Diaspora

Analysen zum muslimischen Leben in Deutschland aus historischer, rechtlicher sowie migrations- und religionssoziologischer Perspektive

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Edited By Rauf Ceylan

Internationale Wanderungsbewegungen im 20. Jahrhundert haben dazu geführt, dass sich Millionen muslimische Migranten außerhalb ihrer Herkunftsländer aufhalten. Allein in Deutschland leben mittlerweile ca. 4,2 Mio. Muslime. Aufgrund des besonderen Verhältnisses von Migration und Religion sind durch diesen Prozess zahlreiche Herausforderungen für die muslimischen Diaspora-Gemeinden entstanden. Vor diesem Hintergrund setzt sich dieser Sammelband aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven mit zentralen Aspekten muslimischen Lebens auseinander. In sechs Schwerpunkte gegliedert, werden Fragen der historischen Entwicklungen seit dem Beginn der Anwerbeabkommen vor 50 Jahren, des Verhältnisses von Rechtsstaat bzw. Säkularisierung und Islam, der (inter-)religiösen Bildung, der muslimischen Identitätsbildung, der fundamentalistischen Ausprägungen in der Migration sowie des interreligiösen Dialogs und der muslimischen Selbstverortung diskutiert.

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I. Zur Historie: Islam als Produkt der 50-jährigen Arbeitsmigration

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Ramadanfeier im Kölner Dom – 50 Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei Karl-Heinz Meier-Braun 1. Eine historische Randnotiz Die Verbindungen zwischen Deutschland und der Türkei reichen weit zurück. Als die osmanische Regierung 1888 einem Konsortium unter der Leitung der Deutschen Bank die Konzession für den Bau und Betrieb der Bagdad-Bahn er- teilte, führte der Direktor der Vereinsbank in Hechingen, Alfred Kaulau, die Verhandlungen. So arbeite(te)n Deutschland und die Türkei bereits seit Langem, z.B. beim Bau der anatolischen Bahn zusammen. Bis zum heutigen Tage wird die Waffenbrüderschaft zwischen Türken und Deutschen im Ersten Weltkrieg beschworen oder an Generalfeldmarschall Moltke erinnert, der die türkische Armee zu reformieren versuchte. Was die ökonomischen Beziehungen angeht, so war es kein anderer als der Firmengründer Robert Bosch selbst, der bereits im Jahre 1910 die erste Vertre- tung in der Türkei eröffnete. In Württemberg nahm man im Jahre 1916 junge Türken zur Ausbildung auf. Diese Vereinbarung wurde anlässlich von Gesprä- chen einer osmanischen Studienkommission mit den württembergischen Hand- werkskammern getroffen. Allein in Ulm arbeiteten damals 40 türkische Lehrlin- ge. Viele deutsche Professoren, die im Dritten Reich Zuflucht in der Türkei fan- den und die modernen türkischen Universitäten aufbauten, stammen aus Baden und Württemberg wie der Mathematiker Willi Prager aus Karlsruhe. Der Stutt- garter Architekt Paul Bonatz hat nicht nur den Stuttgarter Hauptbahnhof, son- dern auch die Oper in Ankara gebaut. Seine türkischen Sch...

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