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Islam und Diaspora

Analysen zum muslimischen Leben in Deutschland aus historischer, rechtlicher sowie migrations- und religionssoziologischer Perspektive

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Edited By Rauf Ceylan

Internationale Wanderungsbewegungen im 20. Jahrhundert haben dazu geführt, dass sich Millionen muslimische Migranten außerhalb ihrer Herkunftsländer aufhalten. Allein in Deutschland leben mittlerweile ca. 4,2 Mio. Muslime. Aufgrund des besonderen Verhältnisses von Migration und Religion sind durch diesen Prozess zahlreiche Herausforderungen für die muslimischen Diaspora-Gemeinden entstanden. Vor diesem Hintergrund setzt sich dieser Sammelband aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven mit zentralen Aspekten muslimischen Lebens auseinander. In sechs Schwerpunkte gegliedert, werden Fragen der historischen Entwicklungen seit dem Beginn der Anwerbeabkommen vor 50 Jahren, des Verhältnisses von Rechtsstaat bzw. Säkularisierung und Islam, der (inter-)religiösen Bildung, der muslimischen Identitätsbildung, der fundamentalistischen Ausprägungen in der Migration sowie des interreligiösen Dialogs und der muslimischen Selbstverortung diskutiert.

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III. Zu muslimischen Kindern und Jugendlichen: Religiöse Bildung und interreligiöses Lernen

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Muslimische Kinder in Kindertagesstätten in Deutschland. Forschungsbefunde – Bildungsaufgaben – Perspektiven Von Friedrich Schweitzer Vor wenigen Jahren wurde mit dem ersten Deutschen Bildungsbericht (2006) ein deutlicher Fortschritt im Blick auf den Erkenntnisstand hinsichtlich der Mi- grationsverhältnisse in Deutschland erzielt.1 Denn damals weitete sich der Blick erstmals über die bis dahin übliche Konzentration und Beschränkung auf Fragen der Staatsangehörigkeit der in Deutschland aufwachsenden Kinder und Jugend- lichen hinaus auf die tatsächlichen Verhältnisse, weil nun nach dem nicht mit der Staatsangehörigkeit zu verwechselnden „Migrationshintergrund“ gefragt wurde. Sehr viel deutlicher trat damit vor Augen, dass der Anteil von Kindern und Jugendlichen, in deren Biografien Migration eine bedeutsame Rolle spielt oder von ihren biografischen und familiären Voraussetzungen her zumindest spielen kann, weit größer ist als es die Zusammensetzung der Bevölkerung im Blick auf die Nationalitäten oder Staatsangehörigkeiten vermuten lässt. Seither ist beispielsweise deutlich bewusst, dass ein Drittel der Kinder im Alter von 0-6 Jahren einen solchen Migrationshintergrund aufweist2 – mit weiter steigender Tendenz. Ohne Zweifel war dies ein Schritt hin zu mehr Realismus auch in den politi- schen Debatten, selbst wenn inzwischen zu Recht auf die Fragwürdigkeit eines Etiketts „Migrationshintergrund“ verwiesen wird3 und diese Kategorie schon bei ihrer Einführung nicht besonders trennscharf und auch nicht ausreichend auf die tatsächlichen Familien- und Lebenssituationen eingestellt war – die Frage nur nach der Geburt im „Ausland“ verdeckt die zum Teil erheblichen, für die Kinder höchst folgenreichen Unterschiede zwischen einem (Herkunfts-)Land wie etwa...

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