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Erinnerungsliteratur von Jehovas Zeugen als NS-Opfern

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Justyna Haas

Das Buch befasst sich mit Erinnerungstexten von Zeugen Jehovas als einer lange vergessenen Opfergruppe des Nationalsozialismus. Die Autorin stützt ihre Ausführungen auf reiche, neu erschlossene Quellenbestände und literaturwissenschaftliche Ansätze, deren Methodik der Spezifik von Zeitzeugentexten hinsichtlich ihrer Funktionalität gerecht werden kann. Erinnerungstexte verfolgter Zeugen Jehovas werden analysiert und anhand eines umfassend argumentierten Vergleichs mit literarischen Texten zum Holocaust als Erinnerungsliteratur im kultur- und literaturwissenschaftlichen Forschungsfeld platziert. Für die Entwicklung von Toleranz und Zivilcourage stellen sie sich als wichtig und didaktisch verwertbar heraus. So bezweckt die Verfasserin nicht nur, die Erinnerungstexte vor dem Vergessen zu bewahren, sondern legt zudem eine neue Basis für weiterführende historische und literaturwissenschaftliche Auseinandersetzungen.

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10 Bedeutung der Zeitzeugenliteratur

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Sofern es überhaupt ein „Bewältigen“ der Vergangenheit gibt, besteht es in dem Nacherzählen dessen, was sich ereignet hat.1737 Die Rolle der Memorialliteratur kann unter folgenden Gesichtspunkten erläutert werden: zum einen in Bezug auf die Zeitzeugen selbst, auf die künftigen Gene- rationen und schließlich auf die Rolle in der heutigen Wissenschaft. Auf diese drei Aspekte möchte ich unter besonderer Berücksichtigung der Zeugen Jehovas eingehen. Es muss zunächst auf die Tatsache hingewiesen werden, dass die Zeitzeugen nach der Befreiung oft die bittere Erfahrung machten, vom Verhalten der Welt außerhalb des Lagers enttäuscht zu werden.1738 Für die Überlebenden gab es keinen jubelnden Empfang, statt dessen reagierte die Gesellschaft peinlich be- rührt auf Menschen, die gerade aus den Konzentrationslagern zurückgekehrt wa- ren und dort Entsetzliches erlebt hatten.1739 Das Verfassen der eigenen Verfolgungsschicksale erwies sich für die Zeit- zeugen als wohltuend.1740 Die Aufmerksamkeit der Nachkommen konnte als eine gewisse Genugtuung wahrgenommen werden.1741 „Endlich die Anerkennung ei- nes Schmerzes, der ja gerade durch die Verdrängung und das Vergessen so sehr in die Tiefe ging“ – schreibt Hermine Schmidt. „Sie tut so gut, diese lang ver- misste Wärme“1742. Die Zeitzeugenliteratur gibt ihnen also die Möglichkeit, „die 1737 Hannah Arendt, zitiert nach: Claudia Chute (Hrsg.), Schicksal Bautzen. Politische Häft- linge der SBZ/DDR erzählen – junge Journalisten porträtieren, Bonn 1999, S. 3. 1738 Ein Beispiel dafür ist die niederländische Dichterin Sonja Prins, die rückblickend schreibt: „Niemand, auch...

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