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Erinnerungspolitik der DDR

Dargestellt an der Berichterstattung der Tageszeitung «Neues Deutschland» über die Nationalen Mahn- und Gedenkstätten Buchenwald, Ravensbrück und Sachsenhausen

Anne-Kathleen Tillack-Graf

Zum antifaschistischen Leitbild der DDR gehörte die Erinnerung an die nationalsozialistische Herrschaft. Eine zentrale Rolle spielten hierbei die Nationalen Mahn- und Gedenkstätten Buchenwald, Ravensbrück und Sachsenhausen. Doch in welchem Umfang nutzte die DDR die Erinnerung für ihre Politik? Wie wurde diese «Erinnerungspolitik» der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung angepasst? Welchen Einfluss hatten dabei der Kalte Krieg und das Verhältnis zur Bundesrepublik? Anhand der Berichterstattung des SED-Zentralorgans «Neues Deutschland» über die Feiern zur Befreiung der Konzentrationslager untersucht die Autorin die propagandistische Nutzung dieser Gedenkstätten und zeigt auf, wie in der DDR die Erinnerung von der Politik und für die Politik instrumentalisiert worden ist.

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Erinnerungspolitik in der DDR

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„Erinnerungsarbeit und Gedächtnisbewahrung haben sich […] in der DDR zu keinem Zeitpunkt in einem politikfernen oder ideologiefreien Raum abgespielt, sondern standen stets in einem Spannungsverhältnis zu den vorherrschenden Strömungen und Tendenzen“, so beschreibt der Historiker Olaf Groehler das Verhältnis von Erinnerung und Politik in der DDR.1 Dass insbesondere die Er- innerung an die NS-Zeit in den Dienst der Legitimierung des ersten sog. „Arbei- ter-und-Bauern-Staates“ gestellt worden ist, darüber besteht wissenschaftlicher Konsens.2 Diese Indienstnahme erfolgte durch die Umdeutung der historischen Ereignisse, die Stilisierung des Triumphes des antifaschistischen Widerstands- kampfes über den Faschismus, die Vergegenwärtigung der „faschistischen Bar- barei“ sowie durch die Betonung der siegreichen Sowjetarmee. Eine zentrale Rolle spielten hierbei die drei Nationalen Mahn- und Gedenkstätten (NMG) Bu- chenwald, Ravensbrück und Sachsenhausen, die in der DDR an Orten ehemali- ger Konzentrationslager errichtet wurden. Als diese Gedenkstätten 1958, 1959 und 1961 eingeweiht wurden, war die DDR etwa zehn Jahre alt. Der Flüchtlingsstrom in den Westen machte die mangelnde Akzeptanz des Staates bei seiner Bevölkerung offenkundig, außerhalb der sozia- listischen Staatengemeinschaft war die DDR infolge der Hallstein-Doktrin wei- testgehend politisch isoliert. Die „Herausbildung staatsbürgerlicher Loyalität sowie die innerdeutsche und internationale Legitimierung der DDR“ wurden 1 Olaf Groehler: Zur Gedenkstättenpolitik und zum Umgang mit der „Reichskristall- nacht“ in der SBZ und DDR (1945-1988). In: Schwieriges Erbe. Der Umgang mit Nati- onalsozialismus und Antisemitismus in Österreich, der DDR und der Bundesrepublik Deutschland. Hg. v. Werner Bergmann u.a. Frankfurt am Main 1995,...

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