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Deutsche Sprache im Wandel

Kleine Schriften zur Sprachgeschichte

Werner Besch

In seiner gesamten wissenschaftlichen Laufbahn hat sich Werner Besch immer wieder aus ganz verschiedenen Perspektiven und unter immer neuen Fragestellungen mit strukturellen und soziolinguistischen Aspekten von Variation und Wandel der deutschen Sprache in Geschichte und Gegenwart beschäftigt. Zu seinem 75. Geburtstag versammelt der vorliegende Band 25 seiner wichtigsten Aufsätze aus diesem zentralen Themenbereich, mit denen er der germanistischen Sprachwissenschaft seit den 60er Jahren Wege gewiesen hat.

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Wider den Stachel löcken (lecken) (1999) 431

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Wider den Stachellocken (lecken) 1. Hinfiihrung Diese Redewendung geht auf Luthers Bibeliibersetzung zuriick. In der Apostelgeschichte wird von der Bekehrung des Saulus erzahlt. Der zu Boden gestiirzte Saulus hOrt die Stimme des Herrn: Saul/Saul/was verfolgestu mich? Und danach: Es wird dir schweer werden wider den Stachellecken, Apg 9,5, bzw. mit Ieichter Variation in Apg 26,14: Es wird dir schweer seinlwider den Stachel zu lecken. Das ist der Wortlaut der Wittenberger Bibel von 1545. Ge- meint ist ,aufbegehren', (vergeblich) ,Widerstand leisten'. Der wort1iche Sinn dieser Wendung ist heute vielen dunkel und war es teilweise auch schon in fiiiherer Zeit. Ade1ung (1796 Lemma ,lacken') z. B. macht in seinem Worterbuch bereits auf ein MiBverstandnis aufmerksam: ,Hoff- mann hat in seinem Buche von der Zufriedenheit das Wort Hicken nicht ver- standen, wenn er sagt: Meinet ihr, daB dem die Zunge und das Herz nicht bluten, der bestandig wider den Stachellecket?" Hier ist ,lecken' im Sinne von ,mit der Zunge lecken' verstanden-und das ist falsch. Fast sieht es so aus, als ob Luther schon MiBverstandnisse befiirchtete, denn er vermerkt von 1531 an zu der Psa1rnstelle 29,6: Vnd machet sie lecken wie ein kalb am Rand: Lecken/Das istlspringenlhupffen. ,Lecken,' in dieser Bedeutung wurde von Luther ebenfalls gebraucht in Hiob 21,11; Ps 29,6 (s.o.); Jes 35,6; Jer 50,11; Hes 34,21; Weish 19,9; l.Sam 2,29. Auch in seinen eigenen Schriften ist es mehrfach belegt. Urn dieses Wort vom Zungenleckenverb abzuheben, wurde es im 17. Jh. und...

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