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Deutsche Sprache im Wandel

Kleine Schriften zur Sprachgeschichte

Werner Besch

In seiner gesamten wissenschaftlichen Laufbahn hat sich Werner Besch immer wieder aus ganz verschiedenen Perspektiven und unter immer neuen Fragestellungen mit strukturellen und soziolinguistischen Aspekten von Variation und Wandel der deutschen Sprache in Geschichte und Gegenwart beschäftigt. Zu seinem 75. Geburtstag versammelt der vorliegende Band 25 seiner wichtigsten Aufsätze aus diesem zentralen Themenbereich, mit denen er der germanistischen Sprachwissenschaft seit den 60er Jahren Wege gewiesen hat.

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Der gemeine Mann in Luthers Schriften (2000) 459

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Der gemeine Mann in Luthers Schriften Dieser Beitrag stammt aus der Feder eines Sprachhistorikers, nicht eines Historikers, Volkskundlers oder Theologen. Solches gleich zu Beginn zu sagen, schiitzt vor falschen Erwartungen und folglich auch vor Enttauschungen. Denn das Thema ist in der Tat fachiibergreifend, entsprechend auch von verschiede- nen Seiten bereits behandelt, wobei man von der Germanistik bzw. Sprachge- schichte wohl nur einen bescheidenen Beitrag zur Bezeichnung gemeiner Mann erwarten wird, wenn iiberhaupt. Allenfalls konnte das den Bedeutungswandel von gemein im Laufe der Zeit betreffen, aber der vollzieht sich spat, eigentlich erst in der zweiten Halfte des 19. Jahrhunderts. 1 Bei Luther, in seiner Zeit und noch lange danach ist von einer generellen semantischen Abwertung von gemein zu niedertriichtig, roh nicht die Rede. Allerdings findet sich in Luthers Schrif- ten schon eine nachdenklich machende Beobachtung in Richtung Abwertung, die der Formulierung nach fast redensartlichen Charakter hat: Wenn etwas ge- meine wird, so gilts nimer und wird veracht, wennn es noch so kostlich were (WA 51, 270, 28*).2 Bedeutungswandel kniipft oft an existierenden semanti- schen Randnuancen eines Wortes an und verschiebt sie im Laufe der Zeit domi- nant in das Zentrum. Das Neue hat in solchen Fallen schon seinen Keirn im Al- ten. Es konnte sich aus diesem Grund (neben anderen) lohnen, Luthers Ge- brauch von der eher schillemden Bezeichnung des gemeinen mannes in seinen Schriften genauer in den Blick zu nehrnen, dies auf einer hinreichenden Beleg- grundlage und mit dem Augenmerk auf semantische Akzentuierungen sozialer, religioser, vielleicht auch stilistischer Elemente....

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