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Deutsche Sprache im Wandel

Kleine Schriften zur Sprachgeschichte

Werner Besch

In seiner gesamten wissenschaftlichen Laufbahn hat sich Werner Besch immer wieder aus ganz verschiedenen Perspektiven und unter immer neuen Fragestellungen mit strukturellen und soziolinguistischen Aspekten von Variation und Wandel der deutschen Sprache in Geschichte und Gegenwart beschäftigt. Zu seinem 75. Geburtstag versammelt der vorliegende Band 25 seiner wichtigsten Aufsätze aus diesem zentralen Themenbereich, mit denen er der germanistischen Sprachwissenschaft seit den 60er Jahren Wege gewiesen hat.

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Variantentyp Hyperkorrektion (2000) 481

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Variantentyp Hyperkorrektion Der Variantentyp Hyperkorrektion fiihrt uns in den Bereich der Analogie. Die Analogie wiederum ist ein hochwirksames Gestaltungsprinzip menschlicher Sprache, war es von Anfang an, tangiert z. B. immer wieder jede Form des Spracherwerbs bis in unsere Gegenwart, reduziert altere Vielfalt an Lauten und Formen, generalisiert auf dominierende Muster bin, lOst sich partiell von 'Gesetzlichkeiten' der Entwicklung, kurz: macht spatere Sprache gegeniiber friiherer systematischer, durchsichtiger. Der groBte Storfaktor fiir das Prinzip der Analogie ist die Anomalie, der Sprachusus, die Festlegung einer Sprach- gemeinschaft eben auch auf zahlreiche , UnregelmaBigkeiten', abweichend von greifbaren oder erahnbaren Mustem ihrer Sprache. Muttersprachler, vor allem dann die Erwachsenen, haben mit den UnregelmaBigkeiten keine Probleme, denn sie erleben und praktizieren taglich den Usus, das Festgelegte, auch die ,Anomalien', aber Kinder und Fremde tun sich schwer. Ihre Analogiebildungen, so intelligent sie auch sind, entpuppen sich immer wieder einmal als ,falsche' Regelanwendung gegen den Usus. Die Analogie-Anomalie-Diskussion beziiglich Sprache ist alt. Sie fiihrt iiber Namen wie Schottelius, Quintilian und Varro schlieBlich auf Platon zu- riick. 1 Analogformen entstehen aus einem Entsprechungsgeftihl heraus. Das gilt auch fiir den Variantentyp Hyperkorrektion. Ohmann formuliert es so: ,Die Voraussetzung zur Entstehung einer hyperkorrekten Form ist es also, dass der Sprecher zwei Abarten einer Sprache so gut kennt, dass sich bei ihm ein Entsprechungsgefiihl entwickelt, das nebenbei bemerkt weder einen h6heren Bildungsgrad noch eine groBere Intelligenz verlangt [ ... ]."2 Es sei zum Beispiel bereits bei Kindem vorhanden. Unter Abarten einer Sprache versteht Ohmann sprachgeographische, soziale oder sonstige Schichtungen (S. 11), also Varie- taten einer...

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