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Vom Zorne Gottes und vom Zorn des Menschen

Plädoyer für eine nachbiblische Emotionalität

Dankwart Kirchner

Diese Arbeit untersucht die biblischen Beschreibungen und Bewertungen von Gefühlen. Der Zorn Gottes und der Zorn des Menschen stehen dabei zunächst im Zentrum, doch später wird der Blickwinkel auf das generelle christliche Problem der Leiblichkeit, des Umgangs mit dem Körper und seiner Gefühle erweitert. Die Arbeit sucht nach einer Lösung der Diskrepanz zwischen heutigem und biblischem Welt- und Gefühlsverständnis. Sie plädiert für eine Auslegung biblischer Texte im Sinne des heutigen Denkens, um mit einem nachbiblischen Verständnis von Emotionalität neu über das Christliche nachdenken zu können. Die Weichen hierzu wurden bereits im antiken Griechenland gestellt: Die Vorstellung, dass Gefühle außerhalb des Menschen entstehen und von Göttern oder Dämonen hervorgerufen werden, wurde abgelöst durch das Verständnis, dass Gefühle im Menschen selbst entstehen – und auch von ihm verantwortet werden.

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4. Der biblische Satan – Eine Problemanzeige

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4.1 Judäisches Exil in Babylon Die große Wende in der Geschichte Israels, des Volkes Jesu, war die Doppelka- tastrophe der Vernichtung zunächst des Nordreiches 722 vor Chr. durch die As- syrer. Ca. 150 Jahre später wurde das Südreich durch die Babylonier vernichtet. Dabei wurde die Hauptstadt Jerusalem einschließlich des irdischen Wohnsitzes Gottes, des Tempels, zerstört. In jener Zeit kämpften nicht nur Könige und ihre Völker, sondern auch die jeweiligen Götter gegeneinander. Es war offensicht- lich, dass der Gott Israels und der Gott Judas der unterlegene war.100 Dieser aber hatte dem Königtum Davids eine ewige Existenz versprochen. Durch den Pro- pheten Nathan ließ er David verheißen: Dein Haus und dein Königtum sollen beständig sein in Ewigkeit vor mir, und dein Thron soll ewiglich bestehen, 2. Samuel 7,16. Zur Zerstörung der beiden Königreiche kam noch die Verschleppung beider Völker. Zunächst betraf es einen Teil der Nordstämme, dann einen Teil der Süd- stämme. Das Israel des Nordreichs verschwand gänzlich. Man kann darüber spekulieren, ob die Verschleppten sich dem im Krieg überlegenen Gott Assur unterworfen und sich seiner Religion eingegliedert haben. Da sich Assur ganz offensichtlich als der stärkere Gott erwiesen hatte, ist es nicht abwegig, diese Option zu favorisieren. Die Exilierten des Nordreichs sind verschwunden. Sie durften, konnten oder wollten nicht an ihrem Glauben festhalten. Diese Gefahr bestand auch für die nach Babylon Verschleppten, auch wenn...

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