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Institutionelle Mechanismen der Kanonbildung in der Académie française

Die "Querelle des Anciens et des Modernes</I> im Frankreich des 17. Jahrhunderts

Christoph Mayer

Warum streiten sich auf dem Höhepunkt der absolutistischen Machtentfaltung im 17. Jahrhundert zwei Parteien in der Académie française? Die Querelle des Anciens et des Modernes beweist die einzigartige Macht der Literatur im kulturellen Feld der Klassik, gerade weil der Streit nicht von einem Herrscher, sondern von den Kulturschaffenden selbst ausagiert und in alle Bereiche der Kultur exportiert wird. Die Entwicklung im System der französischen Akademien zeigt ein ähnliches Bild: Der Lobpreis des Monarchen erfolgt zur Wertsteigerung der Kultur. Die Literaten erneuern ihren Kanon und schaffen die Voraussetzung zur Selbstverewigung und zur Selbstfeier als geeignetstes Repräsentationsmedium. Louis XIV, als Sonnenkönig der Inbegriff des Absolutismus, wird somit in der Akademie erst erzeugt.

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5. Zum Verhältnis von Kunst und Repräsentation

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Bis heute gilt die Klassik als geflügeltes Wort, sei es als normativer Begriff oder aber als Bezeichnung eines im 17. Jahrhundert zu findenden Schreib- oder Inszenierungs- stils.1 Schon Pierre Corneille hatte als Person bzw. als Autor die Poetologie der Klas- sik vielleicht sogar wider Willen durch seine Beiträge geschärft und auf die Akademie konzentriert, wobei er gar eine Abhandlung De la Poésie à la peinture 1653 verfasst haben soll, in dem er im Kontext der Suche nach dem Kunstkanon und der Beschrei- bung von Ripas Ikonologie über die Akademien spricht und den wahren Akademismus zum staatlichen erklärt.2 Die Querelle führt die akademischen Überlegungen über die angemessene Poetik, wie sie zwischen 1674 (Boileaus Art poétique, Rapins Réfle- xions) und 1687 (Bussy-Rabutins Pensées ingénieuses) zirkulierten, forciert fort und hinterfragt die Regelfixierung im Zeichen eines gleichzeitig System stabilisierenden Diskurses.3 5.1 Akademische Panegyrik von Perrault bis Lebrun Die akademische Panegyrik wird bei Charles Perrault in der Autobiogra- phie zum Eigenlob; der Absolutismus im Zeichen der konfessionellen Aufrüstung wirkt verhältnismäßig schwach zurück auf die literarisch-künstlerische Ausgestaltung monarchischer Repräsentation. Der Kanon ist dabei das effiziente Steuerungsinstru- mentarium, das Machtsteigerung durch Machtverschleierung durchsetzt und damit dem Absolutismus seine symbolische Durchsetzungskraft kreiert. Die in diesem Kon- text entstehende Pluralität der Debatten wird durch die Akademie(n) als kulturelles Zentrum im 17. Jahrhundert noch im Eigeninteresse eingefangen, offeriert aber bereits diejenigen Momente des Ausbrechens, die in der Aufklärung anderweitig und System unterwandernd...

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