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Anreiz- und Entscheidungsnützlichkeit der bedingten Vorsicht

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Annette Witzleben

Nationale und internationale Rechnungslegungsregeln sehen eine asymmetrische Behandlung unrealisierter Erträge und Aufwendungen vor. Die Autorin untersucht die Auswirkungen dieser sogenannten bedingten Vorsicht auf die Anreiz- und Entscheidungsnützlichkeit der Rechnungslegung. Hierzu wird zwischen einer unternehmens- und einer regulierungsbezogenen Diskussionsebene unterschieden. Erstmals wird ein geschlossener Analyserahmen zur Strukturierung und kritischen Analyse formaler Modelle und empirischer Ergebnisse entwickelt. Aufbauend hierauf werden neuartige Einblicke in die Konsequenzen unterschiedlich starker Ausprägungen der bedingten Vorsicht gewonnen, die unter anderem helfen, aktuelle Entwicklungen in der Bilanzierung von Finanzinstrumenten und Fertigungsaufträgen zu beurteilen.

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6 Einfluss einer regulatorischen Abkehr von der bedingten Vorsicht auf die Entscheidungsnützlichkeit der Rechnungslegung

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221 6 Einfluss einer regulatorischen Abkehr von der bedingten Vorsicht auf die Entschei- dungsnützlichkeit der Rechnungslegung 6.1 Strukturierung und Eingrenzung der Frage- stellung Grundsätzlich erscheint eine asymmetrische Behandlung unrealisierter Erträge und Aufwendungen mit dem Zweck der Entscheidungsnützlichkeit nicht verein- bar.822 Man könnte deshalb vermuten, dass eine Abkehr vom Realisationsprinzip die Entscheidungsnützlichkeit erhöht. Dieser Rückschluss wäre jedoch voreilig, da er das zur Ermittlung unrealisierter Erträge verwendete Wertkonzept außer Acht lässt. Vor diesem Hintergrund wird nachfolgend eine Bilanzierung gemäß Realisationsprinzip mit einer erfolgswirksamen Erfassung unrealisierter Erträge auf Basis des Fair Value, des Nutzungswerts und der Percentage-of-Completion- Methode verglichen. Im Zentrum der Überlegungen steht der Fair Value, dessen Entscheidungs- nützlichkeit kontrovers diskutiert wird. Manche Autoren bezeichnen ihn als „heuristische Annäherung an den Ertragswert“823 von Vermögenswerten, andere als „Leitstern für Wege ins Abseits“824. Grundsätzlich repräsentiert der Fair Va- lue einen „hypothetischen Marktpreis unter idealisierten Bedingungen“825. Er ist also eine fiktive Größe, die mit Stellvertretergrößen approximiert werden muss.826 Im Folgenden wird deshalb nicht das abstrakte Konstrukt Fair Value auf seine Entscheidungsnützlichkeit untersucht, sondern nur die vom IASB vor- gesehenen Stellvertretergrößen. Bei ihnen handelt es sich gemäß IFRS 13.76-90 um 1) den beobachtbaren Marktpreis eines Vermögenswerts, 2) beobachtbare 822 Vgl. Ballwieser (2009c), Rn. 43; Ballwieser (1997a), S. 375; Ordelheide (1998b), S. 25; Seifert (2011), S. 167. 823 Pellens/Fülbier (2000), S. 584; ähnlich euphorisch Shim/Larkin (1998), S. 40; Willis...

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