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China in der deutschen Literatur 1827-1988

Edited By Uwe Japp and Aihong Jiang

Dieser Band dokumentiert die Resultate einer 2011 in Peking durchgeführten Tagung, an der chinesische und deutsche GermanistInnen beteiligt waren. Der Gegenstand der Aufsätze ist die Imagination Chinas in der deutschsprachigen Literatur von 1827 bis 1988. Behandelt werden Werke von Goethe, Schiller, Fontane, Karl Kraus, Brecht, Kafka, Döblin, Vicki Baum, Hermann Kinder und Michael Krüger. In der Regel kommt es dabei zu perspektivischen Doppelinterpretationen – aus chinesischer und deutscher Sicht. Zugleich kann die Übereinstimmung und die Differenz unterschiedlicher Wissenschaftsstile am Beispiel studiert werden. Eine Auswahlbibliographie zum Thema schließt den Band ab.

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„Geistiges Schreiben“ Goethes lyrische Annäherung an China: Uwe Japp

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„Geistiges Schreiben“ Goethes lyrische Annäherung an China Uwe Japp Goethe hat seine lyrische Aufmerksamkeit dreimal chinesischen Dingen zugewandt: erstens mit Der Chinese in Rom, zweitens mit Chinesisches und drittens mit dem Zyklus Chinesisch-Deutsche Jahres- und Tageszeiten. Eine Dreiteilung ergibt sich daraus nicht, vielmehr eine Bifurkation, da Der Chinese in Rom bereits 1797 erschienen ist, während Chinesisches und der Zyklus erst 1827 entstanden sind. Zwischen beiden Daten liegen also dreißig Jahre; entspre- chend signifikant ist die Differenz der jeweiligen Perspektiven. Kurz gesagt handelt es sich darum, dass die chinesische Insertion 1797 der poetologischen (und polemischen) Explikation europäischer Streitigkeiten dient, während 1827 sich in den genannten Texten ein genuines Interesse an chinesischer Literatur und Welt lyrisch artikuliert. Zu fragen ist, wieweit dieses Interesse geht und wie es Gestalt annimmt. In Der Chinese in Rom geht es nicht wirklich um China. Vielmehr wird einem vorgeschobenen (fingierten) Chinesen mangelndes Verständnis für die Monumentalität der römischen Bauten („Alter und neuerer Zeit“) vorgeworfen. Die polemische Richtung des Gedichts lässt sich insbesondere an dem Diminu- tiv und den ihm folgenden Verkleinerungen und Verfeinerungen ablesen: Ach! So seufzt‘ er, die Armen! ich hoffe, sie sollen begreifen, Wie erst Säulchen von Holz tragen des Daches Gezelt, Daß an Latten und Pappen, Schnitzwerk und bunter Vergoldung Sich des gebildeten Aug’s feinerer Sinn nur erfreut.1 Aus der Weite des Colosseum fühlt sich der Leser in die Enge einer Bastelstube versetzt. Insbesondere die Latten und Pappen sind (als Argument) hart....

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