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Der Linksliberalismus in der Bundesrepublik um 1969

Konjunktur und Profile

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Klaus Weber

In dieser Studie wird der Frage nachgegangen, aus welchem Grund der politische Linksliberalismus in der Bundesrepublik zwischen Ende der 1960er Jahre und dem «Krisenjahr» 1973 eine Konjunktur erleben konnte. Zugleich wird anhand profilierter Persönlichkeiten – Hildegard Hamm-Brücher, Ralf Dahrendorf, Karl-Hermann Flach und Werner Maihofer – der Frage nachgegangen, ob ebendiese Protagonisten lediglich Profiteure oder auch Mitinitiatoren dieser linksliberalen «Welle» gewesen sind. Waren die Linksliberalen also bloß «Wellenreiter» oder schlugen sie selbst die Woge, auf der sie ihre spätere politische Einflussnahme in der FDP gründen konnten? Bewirkten die Protagonisten eine Veränderung, die ihren Aufstieg bedingte oder bewirkte eine Veränderung ihren Aufstieg?

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3. Der Aufbruch

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3.1 Die traditionellen Ketten lockern sich Als die Sowjetunion am 04. Oktober 1957 ihren ersten Satelliten, Sputnik I, in die Umlaufbahn schickte, war dies für die westlichen Gesellschaften ein Schock. Konrad Adenauer hingegen bekannte in seinen Memoiren einige Jahre später, auf ihn aber ha- be der Sputnik damals „fast wie eine Art Himmelsgeschenk [gewirkt], weil ohne ihn die freie Welt in ihrem Dämmerschlaf weiter verharrt hätte.“378 Adenauer, der dieses Ereignis vorrangig unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten besah, zog daraus für sich die Konsequenz, auf eine stärkere Bindung zwischen Europa und den USA auf der Grundlage der NATO hinzuarbeiten.379 In den westeuropäischen Gesellschaften wuchsen aber hiermit die Zweifel, „ob die Vereinigten Staaten zu einem nuklearen Vergeltungsschlag bereit wären, wenn sie damit auch die Vernichtung des eigenen Territoriums riskierten.“380 Fraglos musste dies Konsequenzen für die amerikanische Sicherheitspolitik, somit für die westeuropä- ische Sicherheitspolitik und damit gleichfalls für das westeuropäische Sicherheitsemp- finden haben. Die „Politik der Stärke“ musste mit dem absehbaren nuklearen Gleich- ziehen des Ostens mit dem Westen zwangsläufig obsolet werden.381 Für Axel Schildt war der Sputnik-Schock für die bundesdeutsche Gesellschaft der 1950er Jahre „lediglich eine symbolische Verdichtung der Verunsicherung durch eine nicht mehr als primär militärisch, sondern wirtschaftlich-technisch und in der Folge kulturell empfundene Gefahr“382. Und gerade als Symbol hatte er eine nicht zu unter- schätzende Langzeitwirkung. Der Sputnik-Schock wurde damit zu einem wichtigen Ankerpunkt des Wandels der bundesrepublikanischen Gesellschaft:...

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