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Der Linksliberalismus in der Bundesrepublik um 1969

Konjunktur und Profile

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Klaus Weber

In dieser Studie wird der Frage nachgegangen, aus welchem Grund der politische Linksliberalismus in der Bundesrepublik zwischen Ende der 1960er Jahre und dem «Krisenjahr» 1973 eine Konjunktur erleben konnte. Zugleich wird anhand profilierter Persönlichkeiten – Hildegard Hamm-Brücher, Ralf Dahrendorf, Karl-Hermann Flach und Werner Maihofer – der Frage nachgegangen, ob ebendiese Protagonisten lediglich Profiteure oder auch Mitinitiatoren dieser linksliberalen «Welle» gewesen sind. Waren die Linksliberalen also bloß «Wellenreiter» oder schlugen sie selbst die Woge, auf der sie ihre spätere politische Einflussnahme in der FDP gründen konnten? Bewirkten die Protagonisten eine Veränderung, die ihren Aufstieg bedingte oder bewirkte eine Veränderung ihren Aufstieg?

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5. Das Scheitern auf halber Linie

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5.1 Symptome der Verlustangst Die beeindruckende Bestätigung, die die sozialliberale Koalition mit der 1972er Bun- destagswahl erhielt, beflügelte den Bundeskanzler nur sehr kurzfristig. Nach einem anstrengenden Wahlkampf musste sich Brandt wegen einer Kehlkopferkrankung in ärztliche Obhut begeben und konnte bei den Koalitionsverhandlungen lediglich indi- rekt vom Krankenbett aus eingreifen. Dies nutzten seine Parteifreunde Wehner und Schmidt, um aus der Schwäche des Kanzlers politisches Kapital zu schlagen. So hatte Wehner den für die Koalitionsverhandlungen angefertigten Anweisungszettel Brandts inklusive des Durchschlages für Schmidt glatt in seiner Tasche „vergessen“.1252 Und dass sich die FDP-Verhandlungsdelegation um Scheel nun gegen Wehner und Schmidt durchsetzen konnte und mit dem Finanzressort ein weiteres schwergewichtiges Minis- terium für sich beanspruchen konnte, musste in letzter Konsequenz auch der Kanzler verantworten.1253 Diese Ereignisse waren symptomatisch für die zweite Legislaturperiode Brandts,1254 denn nach diesem missglückten Start wuchsen die Schwierigkeiten für den Kanzler weiter. Hatte er sich in der ersten Amtszeit vorrangig auf die Neue Ostpolitik konzentrieren und es im Inneren mit eher halbherzigen Reformen bewenden lassen können,1255 so musste sich nun mit dem Eintreten der Veralltäglichung in der Ostpoli- tik das Brandtsche Profilierungsrefugium langsam auflösen. Dass er 1971 den Frie- densnobelpreis erhielt, machte viele Deutsche stolz. Nun allerdings erwartete man die Durchsetzung der bereits 1969 versprochenen innenpolitischen Reformen, bei der eine ordnende Hand des Bundeskanzlers notwendig war. Dabei kam Brandt die Ablösung des umtriebigen und brillanten Kanzleramtsministers Horst Ehmke durch den eher ge- räuschlos...

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