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Der Linksliberalismus in der Bundesrepublik um 1969

Konjunktur und Profile

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Klaus Weber

In dieser Studie wird der Frage nachgegangen, aus welchem Grund der politische Linksliberalismus in der Bundesrepublik zwischen Ende der 1960er Jahre und dem «Krisenjahr» 1973 eine Konjunktur erleben konnte. Zugleich wird anhand profilierter Persönlichkeiten – Hildegard Hamm-Brücher, Ralf Dahrendorf, Karl-Hermann Flach und Werner Maihofer – der Frage nachgegangen, ob ebendiese Protagonisten lediglich Profiteure oder auch Mitinitiatoren dieser linksliberalen «Welle» gewesen sind. Waren die Linksliberalen also bloß «Wellenreiter» oder schlugen sie selbst die Woge, auf der sie ihre spätere politische Einflussnahme in der FDP gründen konnten? Bewirkten die Protagonisten eine Veränderung, die ihren Aufstieg bedingte oder bewirkte eine Veränderung ihren Aufstieg?

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7. Schluss

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Der bundesrepublikanische politische Linksliberalismus und die ihn stützenden Per- sönlichkeiten erfuhren eine deutlich erkennbare Konjunktur zwischen Mitte der 1960er und dem ersten Drittel der 1970er Jahre. Es gab also ein bestimmtes Zeitfenster, in dem der Linksliberalismus als politisch handlungsfähige – bzw. bisweilen gar als poli- tisch tonangebende1834 – Ideologie tragfähig werden konnte. Zuvor und danach waren die Bedingungen für ihn offensichtlich nicht derart günstig. Ursachen für diese Ent- wicklung findet man außerhalb – die außen-, innenpolitischen, ökonomischen, gesell- schaftlichen Bedingungen betreffend –, innerhalb der Ideologie des Linksliberalismus sowie bei den Protagonisten selbst. Es ist unübersehbar, dass sich die Bundesrepublik seit Mitte der 1960er Jahre im All- gemeinen deutlich „liberalisiert“ hatte. Daran hatten die Linksliberalen – allen voran Ralf Dahrendorf und Hildegard Hamm-Brücher – einen entscheidenden Anteil. Durch das schonungslose Offenlegen der demokratischen Mängel (exemplarisch etwa Dah- rendorf mit seinem Buch „Gesellschaft und Demokratie in Deutschland“) im Grenzbe- reich zwischen „Öffentlichkeit“ und Politik haben diese Linksliberalen an führender Stelle zum späteren, gewachsenen politischen Selbstbewusstsein der Bundesbürger beigetragen. Die Bürgerinitiativbewegung der 1970er Jahre erwuchs eben nicht nur aus dem aufgerissenen Boden, den die „68er“ hinterließen, sondern vielmehr aus der schon früher von den Linksliberalen vorgelebten Erkenntnis, dass konkretes und „handfestes“ Eigenengagement die politische Ebene beeinflussen könne, ja im eigent- lichen Sinne politisches Handeln sei. Die Bürgerinitiativen atmeten somit gewisserma- ßen den Geist der linksliberalen Postulate der 1960er Jahre. Das stete linksliberale Fordern nach einer inhaltlichen, „emotionalen“ Auffüllung...

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