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Probleme und Perspektiven sprechwissenschaftlicher Arbeit

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Edited By Ursula Hirschfeld and Lutz Christian Anders

Die Sprechwissenschaft entwickelt für das sprachlich-sprecherische Handeln von Menschen eine fachspezifische Problemsicht und eigenständige Lösungsansätze, die zugleich immer interdisziplinär geprägt sind. Ihre Arbeitsbereiche sind breit gefächert, sie reichen von klinischen Diagnose- und Therapieverfahren über rhetorische und sprechkünstlerische Fragestellungen bis zu normphonetischen Gegenständen und zur Sprachsynthese. Die hier zusammengestellten Publikationsfassungen von Vorträgen, die zu Ehrenkolloquien für Frau Prof. Dr. Eva-Maria Krech und Herrn Prof. Dr. Eberhard Stock gehalten wurden, und weitere Studien zu aktuellen Forschungsarbeiten, beinhalten grundsätzliche Überlegungen zur Positionsbestimmung und zu den Perspektiven einzelner sprechwissenschaftlicher Teildisziplinen. Sie zeigen die engen Zusammenhänge und Berührungspunkte der sprechwissenschaftlichen Teilbereiche und verschiedener benachbarter Wissenschaftsdiziplinen.

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Eberhard Stock Dynamik der halleschen Sprechwissenschaft 9

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Dynamik der halleschen Sprechwissenschaft Eberhard Stock, Halle Die Geschichte eines Dinges — so Friedrich Nietzsche — ist grundsätzlich die Summe seiner immer neuen Interpretationen und Zurechtmachungen. Dieses Bonmot trifft auch die Entwicklung von Wissenschaftsdisziplinen, wenn man der Ambivalenz von Formulierungen eingedenk ist und hinter dem "Ding" wis- senschaftliche Protagonisten ausmacht, die fortlaufend mit der Durchdringung, der Interpretation ihres Gegenstandes und der daraus folgenden Zurechtma- chung ihrer Wissenschaft befasst sein müssen. In beidem zeigt sich die Dyna- mik einer Disziplin — die Sprechwissenschaft in Halle bietet hierfür ein beredtes Beispiel. Wissenschaftsdisziplinen werden bekanntlich nicht am Reißbrett erschaffen. Es gibt keine Wissenschaftsstrategen, keine teleologischen Anthropozentriker oder dergleichen, die der Menschheit das Wirklichkeitsganze lückenlos erschließen wollen und deshalb bei der Registrierung unbeackerter Flächen eine neue maß- geschneiderte Forschungsrichtung begründen. Geburtshelfer sind vielmehr der Mangel und der Zufall. Der Mangel zeigt sich in akuten gesellschaftlichen Be- dürfnissen, die nicht befriedigt werden, und in unbeantworteten Fragen nach Er- scheinungen, Ursachen, Zusammenhängen, Wirkungen. Der Zufall dagegen be- herrscht das Personal der lokalen Szene. Das Spiel beginnt nur, wenn in einer guten Stunde ein überzeugender kreativer Kopf, der für die Hauptrolle geeignet ist, auf prognostisch denkende Meinungsmacher und finanzierungswillige Ad- ministratoren trifft. Mit der Besetzung der Hauptrolle bestimmt der Zufall auch, (1) mit welcher Abgrenzung wissenschaftliche Gegenstände aus dem Problem- feld herausgearbeitet werden, (2) wie der gewählte Realitätsausschnitt strukturiert bzw. seine Komplexität re- duziert wird, 9 (3) welche Eigenschaften systematisch fokussiert und welche systematisch...

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