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Interkulturelle Erkundungen

Leben, Schreiben und Lernen in zwei Kulturen- Teil 1

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Andrea Benedek, Renata Alice Crisan and Szabolcs János

Der Band vereint die Beiträge der IV. Internationalen Germanistentagung, die unter dem Titel Interkulturelle Erkundungen. Leben, Schreiben und Lernen in zwei Kulturen im September 2010 an der Christlichen Universität Partium in Oradea (Rumänien) stattfand. Der im Zeichen der Interdisziplinarität gestaltete Band beinhaltet sowohl Studien zu Literaturgeschichte, Theaterwissenschaft, Presseforschung als auch Beiträge zu den deutschen Regionalliteraturen und zur Rezeptionsgeschichte der deutschen Literatur im nichtdeutschsprachigen Raum.

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Die Lueger-Theaterstücke als Spiegel der österreichischen (Kultur-)Politik. Harald D. Gröller (Wien)

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200 Izabella Gaál gehen.39 Er kümmert sich nicht mehr um die Welt, er scheint das Offiziersein vergessen zu haben, als wäre man immer schon über Felder und Landstrassen gegangen, den Stock in der Hand, niemals den Säbel an der Hüfte. Man lebte wie der Großvater, der Held von Solferino, und wie der Urgroßvater, der Invalide im Schlosspark von Luxemburg, und vielleicht wie die namenlosen, unbekannten Ahnen, die Bauern von Sipolje40. Die übernationale Identität der Protagonisten entwickelte sich, als die Monarchie und der Habsburg-Herrscher noch stark zu sein schienen. Der Vielvölkerstaat, der keine „nationale Mehrheit und daher, grundsätzlich auch […] [keine] natio- nale Minderheiten“ hatte – wie das Robert Kann formuliert41 –, verfügte über keinen einheitlichen Gemeinschaftssinn und über keine einheitliche Kultur, wurde durch den Mythos der Dynastie, der in dominanten Diskursen kanalisiert wurde, zusammengehalten. Bis 1860, wie das Michael John feststellt, prägt der aufsteigende Nationalismus die Identität noch nicht, obwohl das Bürgertum sich am eigenen Land orientiert.42 Der Kampf für das Zustandekommen von Natio- nalstaaten steht im diametralen Gegensatz zu dem Grundgedanken der Dynastie, die eine „einheitlich (deutschsprachig) verwaltete Gesellschaft“ aufbauen will.43 Sobald sich die Umstände verändern, erscheinen neue, starke Diskurse, die die sozial konstruierte österreichische/übernationale Identität der Protagonisten zer- stören. Wenn ich die Frage, die ich im Titel meines Vortrags gestellt habe, be- antworten will, kann ich auf Grund des Romans Radetzkymarsch behaupten, dass die Österreichisch-Ungarische Monarchie nicht als Schmelztiegel hat funk-...

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