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Organentnahmen bei hirntoten Schwangeren

Oder: Sterbehilfe am Lebensanfang?

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Sebastian Vogel

Die Konstellation scheint rar, die Lösung simpel: Wenn eine Schwangere stirbt, ihr Herz-Kreislauf-System und mithin die Schwangerschaft aber künstlich auch nach dem Hirntod noch aufrechtzuerhalten sind, muss das Kind gerettet werden. Ist die Frau zudem Organspenderin, können freilich auch ihre Organe transplantiert werden. In dieser Absolutheit indes birgt dies einige medizinische wie rechtliche Fehler. In dieser Arbeit werden die medizinischen Umstände der Konstellation erläutert, um zu einer dogmatisch konsistenten wie praktikablen juristischen Lösung zu gelangen. Zu hinterfragen gilt, ob und wann die Ärzte die Schwangerschaft abbrechen dürfen, wann sie dem Ungeborenen Sterbehilfe leisten können und sollen. Zudem geht die Arbeit der Frage nach, wer entsprechende Entscheidungen trifft.

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3. Kapitel: Die Strafbarkeit der Organentnahme nach § 218 Abs. 1 S. 1 StGB – Der Tatbestand

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1. Abschnitt: Der objektive Tatbestand A. Eröffnung des Anwendungsbereichs der §§ 218 ff. StGB: Vorliegen einer Schwangerschaft Obgleich der Titel dieser Arbeit sowie die einschlägige Literatur die Begriffe Schwangerschaft und Hirntod scheinbar bedenkenlos in der Wendung „hirntote Schwangere“ zusammenführen, lässt sich die Frage des Anwendungsbereichs, also ob in diesem Fall tatsächlich noch von einer Schwangerschaft gesprochen werden kann, doch nicht schlicht mit einem Satz bejahen. Die Beteiligten und Diskutanten in Deutschland nämlich nahmen 1992 für sich in Anspruch, sich in einem rechts- freien Raum zu befinden, und gründeten dies auf die vermeintliche Nichtanwend- barkeit des § 218 StGB.72 Genügsam bejahten sie die Frage, ob eine Schwanger- schaft eine lebende Frau voraussetzt, und meinten, der Hirntod der (zu Lebzeiten) Schwangeren schließe einen Schwangerschaftsabbruch durch die Ärzte aus, weil schon überhaupt keine Schwangerschaft mehr im Sinne der §§ 218 ff. StGB beste- he. Recht zweifelnd noch bejahten diese Frage die damaligen Entscheidungsträ- ger73, gleichsam vorsichtig bestreitet Geilen in neuerer Zeit, dass § 218 StGB in einem solchen Falle anwendbar ist.74 Allein Argumente vermögen die 1992 Han- delnden nicht aufzuzeigen, und auch Geilen anno 2007 zweifelt mehr, als dass er antwortet. Nach bewährter Manier soll nunmehr der Gesetzestext nach seinem Sinn befragt und dieser mitteilbar gemacht werden, schlichtweg durch die Kriterien der Auslegung. Ganz nach Larenz: „Er [der Text] antwortet nur dem, der ihn richtig befragt.“75 72 Vgl. Fn. 11. Wie Hilgendorf, NJW 1996, 758, 762, zu Recht ausführt, kann es einen...

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