Show Less

Die Dialektik des Geheimnisses

Series:

Edited By Grazyna Kwiecinska

Was mag «Dialektik des Geheimnisses» heißen? Geheimnisse können enthüllt werden, wenn auch nicht immer mit Erfolg, und es gibt offene Geheimnisse, von denen nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Doch es gibt auch Geheimnisse, die es bleiben und über die man nur Vermutungen anstellen kann, zumal auf den Spuren der hermetischen Literatur. Es ist eine Hermetik, die sich nicht in gewöhnlicher Kommunikationsverweigerung erschöpft, sondern – mit Adorno gesprochen – dialektisch verfasst ist: Ihr Schweigen soll als ein Zeichen, als eine öffentliche Bekundung im weitesten Sinne verstanden werden. Der Betrachtungszeitraum dieses Bandes beginnt im 18. Jahrhundert mit Hamann, Goethe und Novalis. Von dort aus wird ein Bogen ins 21. Jahrhundert geschlagen, bis hin zu Yoko Tawadas Celan-Übersetzung und der Holocaustliteratur der dritten Generation. Das behandelte Textfeld umfasst über die klassische Sphäre hinaus auch politische Programme und kulturphilosophische Entwürfe. Dementsprechend reicht die Bandbreite der verwendeten Methodologien von Ideen- und Diskursgeschichte bis hin zur Textrhetorik, Intertextualität und Intermedialität.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Karol Sauerland: Im Widerstreit zwischen dem Geheimen und Öffentlichen – Die Revolution als Herausforderung (Goethe, Novalis, Friedrich Schlegel)

Extract

Im Widerstreit zwischen dem Geheimen und Öffentlichen – Die Revolution als Herausforderung (Goethe, Novalis, Friedrich Schlegel) Karol Sauerland In der Distichensammlung zum Musenalmanach für das Jahr 1797 schreibt Goethe Zweierlei Arten gibt es, die treffende Wahrheit zu sagen: Öffentlich immer dem Volk, immer dem Fürsten geheim.1 Obwohl man bei den Distichen oft nicht weiß, ob Schiller oder Goethe der Autor ist, so ist es bei diesem Distichon klar, dass es von Goethe stammt, denn er übernahm es in seine Distichensammlung Vier Jahreszeiten, die unter diesem Titel im siebten Band der Neuen Schriften 1800 erschienen. Auch andere poli- tisch gemeinte Xenien finden sich dort, wie etwa Wer ist der edlere Mann in jedem Stande? Der stets sich Neiget zum Gleichgewicht, was er auch habe voraus.2 Mit treffender Wahrheit ist höchstwahrscheinlich die unangenehme Wahrheit gemeint, die man dem Volk, das, wie aus anderen Xenien hervorgeht, als nicht besonders gelehrig angenommen wird, offen ins Gesicht zu sagen hat, während man dem Fürsten schonend beibringen muss, wie, wenn im Staat etwas schlecht oder nicht funktioniert, Abhilfe geschaffen werden könnte. Diejenigen, die dazu berufen sind, nennen sich Geheimräte. Sie bilden den Kern der Fürstenberater bzw. derjenigen, die für ihn die Regierungsgeschäfte ausüben. Auch Goethe hat- te eine solche Funktion inne. Er war mittlerweile als Vertrauter des Herzogs an ein stilles Eingreifen gewöhnt, wenn Proteste oder auch nur die Publikation von politisch nicht genehmen Meinungen drohten, was man an seinem Verhalten gegenüber den Jenaer...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.