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Entwicklungs- und Menschenrechtsvorstellungen von unten

Eine vergleichende Untersuchung anhand ausgewählter Beispiele indigener Bevölkerung

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Daniel Stosiek

Dieses Buch befasst sich mit den Vorstellungen von Entwicklung, Menschenrechten und einem guten Leben aus der Sicht marginalisierter Gruppen. Im Fokus stehen indigene Völker in Lateinamerika (insbesondere die Mapuche in Chile) und Beduinen bzw. PalästinenserInnen. Der Vergleich dieser sehr unterschiedlichen Gesellschaften, die die europäische Kolonisierung gemeinsam haben, erweist sich als sehr ergiebig. Die Äußerungen in Interviews und Gesprächen bilden den Ausgangspunkt für eine Suche nach einer neuen, dialogischen, ‘postkolonialen’ und daher alternativen Globalisierung, in der die Stimmen und Realitäten der subalternisierten Subjekte nicht mehr ausgelöscht werden.

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2. Linda Tuhiwai Smith: Entkolonisierende Methodologien

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In meinem theoretischen wie methodischen Vorgehen orientiere ich mich an der Methodologie nach Linda Tuhiwai Smith: Decolonizing Methodologies.47 Dabei ist zunächst zwischen Methode und Methodologie zu unterscheiden. Bei Metho- den handelt es sich um Forschungswerkzeuge und bei Methodologien um For- schungsprozesse. Was die konkreten Methoden anbelangt, verwenden indigene Methodologien oft einen Mix verschiedener Ansätze. Bei Methodologien geht es um Theorie und Analyse, wie die Forschung vorgeht und vorgehen sollte, wobei die Ziele über die unmittelbare Forschungstätigkeit hinausgehen und den Re- spekt vor den Menschen und deren Heilungs- und Stärkungsprozesse mit umfas- sen. Die Prozesse sind wichtiger als die Forschungsergebnisse. (vgl.: 17, 127f, 143) Die Autorin, die selber zu den Maori, einem indigenen Volk in Neuseeland ge- hört, kritisiert zunächst die okzidentale Forschung als Herrschaftsinstrument, welches den Prozess der Kolonisierung begleitet, und formuliert dann Elemente einer alternativen Forschungspraxis. Die herkömmliche Forschung sei Teil der kolonialen Beziehungen und habe oft die indigenen Menschen wie Tiere, wie Flora und Fauna dargestellt, sie dehumanisiert (8f; 58f). Die Forschung mache die indigenen Menschen zu Objekten (so komme es zur ironischen Redeweise unter den Maori: “We are the most researched people in the world.” S. 3). Die Objektivierung in der Forschung sei selber ein Prozess der Dehumanisierung; deshalb erarbeiten sich indigene Subjekte eigene Forschungskonzepte (39). Der Imperialismus zeige sich selber als Ordnung und stelle die indigenen Gesell- schaften als Unordnung dar; in Wirklichkeit habe aber der Imperialismus deren Ordnungen zerstört und fragmentiert (28). Indigene Völker haben die...

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