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Der Osten des Ostens

Orientalismen in slavischen Kulturen und Literaturen- Unter Mitarbeit von Yvonne Pörzgen

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Edited By Wolfgang Stephan Kissel

Die Beiträge dieses Bandes belegen, dass der Begriff des Orientalismus zu einem wichtigen Arbeits- und Erkenntnisinstrument der kulturwissenschaftlich erneuerten Slavistik geworden ist. Der Plural «Orientalismen» öffnet das Feld für sehr verschiedenartige Konstellationen, die vom Kaukasus in der russischen Romantik über die Ägypten-Bilder der russischen Moderne bis zu den Filmschulen Mittelasiens und zum Tschetschenien-Konflikt, vom polnischen Barockzeitalter bis zum Avantgarde-Roman der Zwischenkriegszeit und zu neueren polnischen Russland-Bildern, von der kroatischen Literatur der Romantik bis zu bosnischen Identitätsdiskursen der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts reichen. Dabei werden Verfahren, Symbole, Metaphern und Diskurse vorgestellt, die zur Konstruktion von Orient in slavischen Kulturen und Literaturen beigetragen haben – zum ‘Osten des Ostens’.

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IV. Der Balkan: Grenzraum zwischen Europa und Orient, Christentum und Islam, Barbarei und Zivilisation

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Gun-Britt Kohler (Oldenburg) Der osmanisch-muslimische ‚Orient‘ in der kroati- schen Literatur der ‚Romantik‘ im Spannungsfeld von Poetik und nationaler Identität 1. Orientalismus-Kritik, Romantik-Kritik und Synkretismus anhand des kroatischen Raums: Prosper Mérimée, La Guzla (1827) Eine der spektakulärsten literarischen Fälschungen des 19. Jahrhunderts – und der französischen Literatur überhaupt – ist Prosper Mérimées 1827 anonym er- schienener Sammelband La Guzla. Choix de poésies illyriques recueillies dans la Dalmatie, la Bosnie, la Croatie et l’Herzégovine (Gusle. Auswahl illyrischer Dichtungen, gesammelt in Dalmatien, Bosnien, Kroatien und der Hercegovina). Mérimées legendäre Mystifikation südwestslavischer (westbalkanischer) Volkslieder baut zu einem guten Teil auf dem Gegensatz zwischen ‚westlicher Zivilisation‘ und ‚östlicher Wildheit‘ auf – wie bereits die doppelbödig formu- lierte Erklärung des vorgeblichen ‚Sammlers‘, ‚Übersetzers‘ und ‚Herausgebers‘ im Vorwort zur ersten Ausgabe belegt: Quand je m’occupais à former le recueil dont on va lire la traduction, je m’imaginais être à peu près le seul Français […] qui pût trouver quelque intérêt dans ces poèmes sans art, production d’un peuple sauvage […]. Depuis, remarquant le goût qui se ré- pand tous les jours pour les ouvrages étrangers, et surtout pour ceux qui, par leurs formes même, s’éloignent des chefs-d’œuvre que nous sommes habitués à admirer, je songeai à mon recueil de chansons illyriques. (Mérimée 1994, S. 21) Als ich daranging, die Balladen zu sammeln, die hier übersetzt vorliegen, bildete ich mir ein, ich wäre der einzige...

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