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Abraham Geigers Wissenschaftsverständnis

Eine Studie zur jüdischen Rezeption von Friedrich Schleiermachers Theologiebegriff

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Imke Stallmann

Abraham Geiger ist vor allem als Reformrabbiner und damit als zentrale impulsgebende Persönlichkeit der jüdischen Reformbewegung des 19. Jahrhunderts bekannt. Er gehört aber auch zu den Gründungsgestalten der Wissenschaft des Judentums. Geiger konzipiert die Wissenschaft des Judentums als jüdische Theologie sowie als Motor für religiöse Reformen und orientiert sich dabei an Friedrich Schleiermachers Theologiebegriff. Diese Studie würdigt Geigers bisher vernachlässigte wissenschaftsprogrammatische Leistung, indem sie seinen Beitrag zur Entwicklung und Profilierung der Wissenschaft des Judentums beleuchtet. Hierfür analysiert sie Geigers Werk, rekonstruiert so sein Wissenschaftsverständnis und stellt dieses in den zeitgenössischen Kontext des innerjüdischen Gelehrtendiskurses und in Schleiermachers Neukonzeption der Theologie ein.

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Einleitung

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„Die Pflege der Wissenschaft ist selbst eine Leben spendende That. Allein es bedarf auch allerdings der entschiedenen Ausprägung der Ueberzeugung in allen Lebensformen, der praktischen Reform.“1 „Wissenschaft“ und „Reform“ sind die beiden Koordinaten, zwischen denen sich Abraham Geiger (1810–1874) zeit seines Lebens bewegt. „Wissenschaft“ und „Reform“ sind die beiden Triebfedern, die ihn durchgängig motivieren. „Wissenschaft“ und „Reform“ sind die beiden Momente, die Geiger beständig Erfüllung geben. Er widmet sich beiden Komponenten mit großer Leidenschaft, profunder Sachkenntnis und langem Atem. Beiden Größen kommt existentielle Bedeutung zu, beide Größen prägen sein Leben. Abraham Geiger, der „Fürst der Wissenschaft“2, der „vorbildliche[ ] Lehrer“3, der „Regenerator des moder- nen Judentums“4 und „gelehrte[ ] Provokateur“5, verschränkt „Wissenschaft“ und „Reform“ konstruktiv miteinander und ist damit Vordenker, ja mehr noch Vor- kämpfer seiner Zeit. Geiger ist vor allem als Reformrabbiner und damit als zent- rale impulsgebende Persönlichkeit der jüdischen Reformbewegung des 19. Jahr- hunderts bekannt. Seine eigene Äußerung und die Titulierungen, die 1910 und 2010 anlässlich seines 100. beziehungsweise 200. Geburtstages formuliert worden sind, legen noch eine weitere Facette seiner Persönlichkeit offen: Geiger ist auch Gelehr- ter, der sein Leben in den Dienst der Wissenschaft stellt und diese unaufhör- lich fördert. Geiger betreibt die „Pflege der Wissenschaft“ mit unermüdlichem Einsatz. Dies heißt für ihn zum einen, die Wissenschaft des Judentums durch eigene Forschungen aufzubauen und zu profilieren sowie durch die Lehre zu...

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