Show Less

Czesław Miłosz und Joseph Brodsky

Die Freundschaft zweier Dichter

Series:

Irena Grudzinska-Gross

Dieses Portrait der Freundschaft zwischen zwei Ikonen der Dichtkunst des 20. Jahrhunderts, Czesław Miłosz und Joseph Brodsky, beleuchtet die Parallelen in den Leben der beiden Dichter und Literaturnobelpreisträger. Grudzińska-Gross greift auf Gedichte, Essays, Briefe, Interviews, Vorträge und eigene Erinnerungen als Vertraute der beiden Dichter zurück, die einen Teil ihres Lebens im amerikanischen Exil verbrachten. Das Doppelportrait der Dichter und die Erläuterung ihrer Einstellungen zu Religion, Geschichte, Erinnerung und Sprache werfen ein neues Licht auf die Umwälzungen des 20. Jahrhunderts. Zusätzlich schildert die Autorin Miłoszs und Brodskys Beziehungen zu anderen literarischen Schlüsselfiguren wie W. H. Auden, Susan Sontag, Seamus Heaney, Mark Strand, Robert Hass, Derek Walcott.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Teil 1: Eine Republik der Dichter

Extract

Teil 1 Eine Republik der Dichter Kapitel 1 Pan Czesław und Iossif Freundschaft drückt sich häufig in ritualisierten, sehr privaten Anredeformen aus, in einer Art „vertrauter Förmlichkeit“. Miłosz und Brodsky sprachen Eng- lisch miteinander und redeten sich mit Vornamen an. Brodskys Art, sich an Miłosz zu wenden, war dabei immer sehr förmlich. Wenn er über seinen Freund (und manchmal auch mit ihm) sprach, verwendete er die polnische Höflichkeits- form „Pan Czesław“ [Herr Czesław] – als Beweis seiner Wertschätzung und leicht scherzhafte Betonung des Altersunterschiedes zwischen ihnen, der adligen Herkunft und würdevollen Haltung Miłoszs. „Pan“ ist die formelle „Sie“-Form im modernen Polnisch, die allgemein übliche Anredeform für nicht-vertraute Personen; in Russland jedoch galt sie als Symbol für die Förmlichkeit der polni- schen Gesellschaft. Ein russischer Witz lautete, dass alles und jeder in Polen ein „Pan“ sei, selbst die Schuhe (russisch tufli, polnisch pantofle – „pan-tofle“). Miłosz stammte tatsächlich aus einer recht ehrwürdigen alten Adelsfamilie. Er war 1911 im damals zum Russischen Kaiserreich gehörenden Szetejnie geboren, dem heutigen litauischen Šeteniai, hatte in Wilna die Schule besucht und an der dortigen Stefan-Batory-Universität Jura studiert. Ab 1918 gehörte Wilna zu Po- len, und die Sprache an Schule und Universität war von da an – so wie es in Miłoszs Familie die ganze Zeit gewesen war – das Polnische. Mit fünfzehn Jah- ren begann Czesław Miłosz Gedichte zu schreiben. 1937 zog...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.