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Czesław Miłosz und Joseph Brodsky

Die Freundschaft zweier Dichter

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Irena Grudzinska-Gross

Dieses Portrait der Freundschaft zwischen zwei Ikonen der Dichtkunst des 20. Jahrhunderts, Czesław Miłosz und Joseph Brodsky, beleuchtet die Parallelen in den Leben der beiden Dichter und Literaturnobelpreisträger. Grudzińska-Gross greift auf Gedichte, Essays, Briefe, Interviews, Vorträge und eigene Erinnerungen als Vertraute der beiden Dichter zurück, die einen Teil ihres Lebens im amerikanischen Exil verbrachten. Das Doppelportrait der Dichter und die Erläuterung ihrer Einstellungen zu Religion, Geschichte, Erinnerung und Sprache werfen ein neues Licht auf die Umwälzungen des 20. Jahrhunderts. Zusätzlich schildert die Autorin Miłoszs und Brodskys Beziehungen zu anderen literarischen Schlüsselfiguren wie W. H. Auden, Susan Sontag, Seamus Heaney, Mark Strand, Robert Hass, Derek Walcott.

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Teil 2: Heimat- und andere Länder

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Teil 2 Heimat- und andere Länder Kapitel 5 Im Schatten des Imperiums: Russland Die unterschiedliche Einstellung zu Russland bildete den schwierigen, verdeck- ten Hintergrund zu Brodskys und Miłoszs Freundschaft; sie sprachen dieses Thema nie offen an. Miłosz betonte zwar oft, sie beide hätten die seit Langem bestehenden Differenzen zwischen Polen und Russland überwunden; Brodsky hingegen sagte nicht einmal so viel. Deutlich erkennbar wird der Unterschied ihrer Haltungen im Umgang mit dem Begriff „Mitteleuropa“. In den 1970er und 1980er Jahren bekam dieser Be- griff eine neue, antisowjetische Bedeutung, die vor allem durch aus dem Ost- block emigrierte Schriftsteller und Verleger geprägt wurde. Dieses neue Kon- zept nützte ihnen beim Kampf um die Unabhängigkeit ihrer Heimatländer. Die Existenz „Mitteleuropas“ – in Abgrenzung zu „Osteuropa“ – proklamierten u.a. der tschechische Schriftsteller und Herausgeber der Zeitschrift „Lettre Internati- onale“ Antonin Liehm, der Redakteur der Jahresschrift „Cross Currents“ und Professor in Michigan Ladislav Matejka, die Gründerin und Herausgeberin der polnischen Emigrationszeitschrift „Zeszyty Literackie“ Barbara Toruczyk so- wie die Schriftsteller Milan Kundera, Danilo Kiš, György Konrád und Czesław Miłosz. „Mitteleuropa“ sollte, wenn schon keine territoriale, so doch eine geisti- ge Gemeinschaft von politisch durch die Sowjetunion dominierten, kulturell aber zum Westen gehörenden Ländern sein, eine multipolare, multiethnische, multilinguale Einheit, die nur durch Tyrannei innerhalb des „totalitären Ostens“ gehalten wurde. Die tonangebenden Essays über Mitteleuropa stammten aus der Feder Czesław Miłoszs und Milan Kunderas169. Als Bewohner dieses Territoriums lis- tete Milan...

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