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To and fro in shadow – by way of neither

Grundlegung der literarischen Hermeneutik am Beispiel der Werke Samuel Becketts

Stefan Schenk-Haupt

Noch immer umgibt Samuel Becketts Werke der Nimbus des Rätselhaften – trotz aller Bemühungen der Literaturkritik, auch im Rahmen der Neuen Literaturtheorien. Dem entgegen, unternimmt die Studie erstmals eine hermeneutische Untersuchung der Texte. Sie setzt voraus, Beckett habe dem Leser alle zu ihrem Verständnis notwendigen Mittel an die Hand gegeben: zwar nicht in einem Text allein, wohl aber in der internen Dialogizität der Texte untereinander. Die Studie entwickelt hierfür einen eigenen Interpretationsansatz, der die historischen Voraussetzungen der Hermeneutik sowie die produktive Abgrenzung zum Poststrukturalismus verarbeitet. In der hermeneutischen Anwendung zeigen sich überraschend konsistente Motivstrukturen und Aussagemomente, und Becketts Schaffen erweist sich als ein geschlossenes literarisches System, welches seine eigenen Möglichkeiten konstruktiv im Ausschlußprozeß des ‘weder … noch’ erschöpft.

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Teil II: Die allgemeine Hermeneutik als Grundlegung der Literaturwissenschaft

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45 Teil II Die allgemeine Hermeneutik als Grundlegung der Literaturwissenschaft Das Ziel der folgenden Erörterungen besteht, unter Berücksichtigung geschichtli- cher Hintergründe und aktueller Fragestellungen, in der Ausarbeitung einer herme- neutischen Theorie und Methodik der Textauslegung, welche den Ansprüchen einer modernen wissenschaftlichen Interpretationstheorie genügt. Dabei steht, anders als die Entwicklung der Hermeneutik im 20. Jahrhundert dies erwarten ließe, primär nicht der Verstehensprozeß mit seinen philosophischen Implikationen, sondern vielmehr der Text als Verstehensobjekt im Mittelpunkt. Grundlage und Ausgangs- punkt der Theorie bildet die Hermeneutik Schleiermachers, die trotz ihrer Betagt- heit geeignet ist, einen tragfähigen Entwurf einer materialen Hermeneutik des Tex- tes zu begründen. Wirkliche Alternativen zu Schleiermachers Entwurf gibt es bis heute kaum, zu nennen wäre allenfalls die Systematik Emilio Bettis, die aber in wesentlichen Punkten hinter die Aufklärungshermeneutik zurückfällt.70 Wie zu zei- gen ist, haben auch diejenigen Denker, die Schleiermacher als ‚Klassiker der Her- meneutik‘ folgen, keine entscheidenden Beiträge zur Weiterentwicklung einer Texthermeneutik geleistet, denn der Schwerpunkt ihres Interesses verlagert sich in zunehmendem Maß auf philosophische und ontologische Fragestellungen. Erst Ricœur kehrt zurück zu einem Modell, das den Fokus zumindest partiell auf die Auslegung von Texten im engeren Sinn legt. An dieser Stelle ist herauszuheben, daß nach der Grundlegung der philologischen Hermeneutik auf der Basis von Schleiermacher die Diskussion weiterer Ansätze stets nur unter den zuvor entwik- kelten philologischen und textmaterialen Prämissen erfolgt. Insbesondere die Kon- zepte Heideggers, Gadamers und Ricœurs werden...

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