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Vom Umgang mit Helden

Das Museum Nibelungen(h)ort Xanten- Bestandsaufnahme und Museumskatalog

Ralph Trost

Die Nibelungen – große europäische Sage, Mythos um Aufstieg und Untergang, Liebe und Hass, Treue und Verrat. Kaum eine andere Geschichte hat Kultur, Gesellschaft und Politik im deutschsprachigen Raum derart geprägt wie diese. Entstanden als Teil der europäischen Sagenfamilie, sind die Geschichten um Helden und ihre Mythen zunächst mündlich weitergegeben worden. Im 12. Jahrhundert dann wurden verschiedene dieser Sagen zum Nibelungenlied zusammengefasst. Anfang 2010 eröffnete der Nibelungen(h)ort Xanten als ein Museum, das die Rezeptionsgeschichte des Mythos darstellt: von der Zeit der Völkerwanderung über das Mittelalter, das 18. und 19. Jahrhundert, den Missbrauch im 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Das Buch ist gleichzeitig Bestandsaufnahme der Dauerausstellung von Mitte 2012 und Museumskatalog mit rund 100 Fotos.

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Vorwort

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Das ,Nibelungenlied‘ – kein zweiter Text des Mittelalters hat im Laufe der letzten Jahrhunderte eine so reiche und kontroverse Rezeption erfahren wie dieser. In Nacherzählungen für Erwachsene wie auch für Jugendliche, in Bearbeitungen für die Bühne, in Bildern, Filmen, Hörbüchern und in Comics scheinen die Figuren Kriemhild, Siegfried, Gunther und Hagen oder auch Themen wie der Nibelungenhort und die Ermordung Siegfrieds allgegenwärtig, und das bereits seit dem späten 12. Jahrhundert. Begriffe wie die „Nibelungentreue“ werden auch heute noch von manchem Politiker verwendet – allerdings oft, ohne dass bekannt ist, dass die heute negative Bedeutung dieses Be- griffes im Sinne des einseitigen, bedingungslosen Gehorsams und der Gefolgschaft bis in den Tod eine Erfindung der Nationalsozialisten ist: Der mittelalterliche Text selbst diskutiert alle möglichen Spielarten der Treue, findet in der Beurteilung von deren Wichtigkeit keine definitive Antwort, betont aber immer wieder die notwendige Gegenseitigkeit der Bindungen zwischen Personen und Personengruppen. Es zeigt sich bereits dadurch, dass es keinesfalls eine immer gleiche Geschichte ist, die nacherzählt wird: Bereits vor der Niederschrift des mittelhochdeutschen ‚Nibelungenliedes‘ um 1200 kursierte der Stoff in verschiedenen Sprachen in ganz anderer Gestalt (wichtig ist hier vor allem die altnordische ‚Edda‘, deren Handschriften zwar erst ab dem späten 13. Jahrhundert zu datieren sind, deren Entstehung in der Forschung jedoch Jahrhunderte früher angesetzt wird). Es gibt viele Motive im Nibelungenstoff, die dazu einluden und einladen, die Figuren und Ereignisse je nach aktuellen gesellschaftlichen Kontexten, Mentalitäten und Menschenbildern umzudeuten, neue...

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