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Historische Analysen theoretischer und empirischer Psychologie

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Edited By Armin Stock, Horst-Peter Brauns and Uwe Wolfradt

Die in diesem Band vereinigte psychologiehistorische Forschung umfasst ein relativ breites Themenspektrum. Neben Analysen der theoretischen und empirischen Psychologie stehen biografiebezogene Studien zur Religionspsychologie, über Psychologinnen und Psychologen während der Zeit des Nationalsozialismus sowie über Aspekte der Entwicklung des Faches in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Abgerundet wird der Band durch verschiedene Beiträge zu Herausgaben digitaler Editionen wissenschaftlicher Korrespondenzen. Insgesamt wird damit dem Leser ein aktueller Einblick in die Vielfalt psychologiegeschichtlicher Forschungsgebiete sowie die darin liegenden Erkenntnismöglichkeiten geboten.

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Kapitel 2: Neuere psychologische Forschungsbereiche bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts

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91 Franz Brentano in Würzburg: Die Anfänge der deskriptiven Psychologie Guillaume Fréchette Dass die deskriptive Psychologie zu den Entwicklungen aus Brentanos Wiener Periode gehört, ist eine weitverbreitete Meinung in der Rezeption des Aschaf- fenburger Philosophen. Mein Anliegen im folgenden Aufsatz ist es, diese An- sicht kritisch zu untersuchen. Anhand einer Neubewertung der relevanten Text- stellen aus der Psychologie von 1874 und einer kritischen Untersuchung der spä- teren Quellen und rückblickenden Bemerkungen einiger Schüler und Enkelschü- ler Brentanos möchte ich einige Belege für die These anbieten, dass Brentano über die Unterscheidung zwischen deskriptiver und genetischer Richtung der Psychologie schon als junger Professor in Würzburg verfügte. Die Bedeutung dieser Unterscheidung mag nicht unmittelbar einleuchten. Der Zeitpunkt der Einführung dieser Unterscheidung spielt jedoch eine zentrale Rolle, wenn man für die These plädieren will, dass in Brentanos Philosophie der Ansatz der psychologischen Deskription konstant bleibt. Ändere sich zu einem späteren Zeitpunkt in Brentanos Theorie des psychischen Lebens die Beziehung der deskriptiven Analyse zur genetischen Erklärung, dann hätte dies zur Folge, dass erst durch diese Unterscheidung die deskriptive Psychologie ihren Status als unabhängige Wissenschaft gewinnt. Anders gesagt: die Psychologie vom empirischen Standpunkt wäre nicht imstande, die Unabhängigkeit ihres deskrip- tiven Ansatzes zu etablieren. Ist dies der Fall, müsste man die Reichweite des in der Psychologie und in späteren Werken vertretenen methodologischen Stand- punktes (die vierte Habilitationsthese von 1866) hinterfragen, nach welchem die...

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