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Artistik, Ironie und Gewalt bei Knut Hamsun

Aufsätze, Vorträge, Artikel, Essays und Interview

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Walter Baumgartner

Der Nobelpreisträger Knut Hamsun gehört zu den Klassikern der modernen Weltliteratur. Und er ist zu einem Gefolgsmann Hitlers geworden. Im Buch werden die provozierenden Verflechtungen von Politik und Kunst aufgezeigt. Seine Romane stellen mit sarkastischem Humor menschliche Depravation dar. Wenn auch sein literarisches Schaffen sich der Nazi-Ideologie eher quer stellte, gibt es doch eine Schaltstelle von der Fiktion zur politischen Einstellung des alten Dichters. Schon im Frühwerk ist eine Tendenz in seinem Ästhetizismus zu sehen, die das Handlungsgefälle und die Figurencharakteristik regelmäßig ins Gewalttätige und Selbstdestruktive lenkt. Das Welt- und Menschenbild seiner Romane ist nicht zur Erbauung gedacht sondern provoziert kritische Auseinandersetzung – nicht nur mit der Literatur.

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II Rezeptionsgeschichte

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„Segen der Erde“ im Kampf gegen den „Bolschewismus der Poesie“ I In einer Dokumentation zum Nobelpreis für Literatur 1901 bis 1982, die zu je- dem Preisträger ein Foto, die Motivation der Schwedischen Akademie und die Laudatio wiedergibt, ist Knut Hamsun mit einem gut sichtbaren Abzeichen der norwegischen nationalsozialistischen Partei am Jackenumschlag zu sehen.1 Den Preis erhielt er 1920. Die norwegische NS-Partei wurde 1933 gegründet. Das Foto ist von 1943. Dieser Lapsus wird zum Skandal, wenn man, aufmerksam geworden durch das malplazierte Signal, die Laudatio des Akademiemitglieds Harald Hjärne genauer studiert. Sie zeigt einen penetranten protofaschistischen Zungenschlag. Vom Protagonisten des preisbelohnten Romans Segen der Erde heißt es da: Die Arbeit des Schollenroders und ersten Siedlers mit all ihren Mühen erhält unter der Hand des Dichters ein Gepräge urzeitlichen heroischen Kampfes, der in keiner Weise hinter dem Dienst der mannhaften Selbstaufopferung für Waffenbrüder und Vaterland zurückbleibt.2 Von wem und für was wurde Hamsun da vereinnahmt, fünfzehn Jahre bevor er im Zusammenhang mit der Debatte um den Friedensnobelpreis für Carl von Os- sietzky in den Reihen der Nazis Position bezog und sich von ihnen vereinnah- men ließ? Wenn man dieser Frage nachgeht, stößt man sehr rasch auf weitere Ironien. Zuerst ist festzustellen, dass Segen der Erde mit seiner Affinität zum Blut-und- Boden-Roman eigentlich ein für Hamsun atypisches Buch ist. Warum hat er ausdrücklich nur für dieses eine Buch den Preis erhalten? Gerade diesen Ham-...

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