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Streitpunkt ‘Jesus’

Theologische Kontroversen zwischen Rudolf Bultmann und Rudolf Otto in ihren Bezügen zur Religionsgeschichtlichen Schule und zu Richtungen des Kantianismus im beginnenden 20. Jahrhundert

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Gudrun Beyer

Die forschungsgeschichtliche Untersuchung behandelt historiographisch und systematisch-theologisch Kontroversen zwischen den Marburger Theologen Rudolf Bultmann und Rudolf Otto zur theologischen Hermeneutik und Exegese. Im Zentrum stehen die unterschiedlichen Analysen der synoptischen Tradition zur Person und zum Wirken Jesu von Nazareth. Auf der Folie neukantischer Referenzmodelle sowie von Fragestellungen der Religionsgeschichtlichen Schule werden die alternativen theologisch-hermeneutischen Modelle beider Theologen aufgezeigt, ebenso die unterschiedlichen Verständnisse der Person Jesu in dieser Konsequenz. Analysen von Nachlassmaterial, ergänzenden Archivalien und einschlägigen Veröffentlichungen beider Theologen vermitteln ein plastisches Bild ihrer Auseinandersetzung im Zenit des theologischen Umbruchs im beginnenden 20. Jahrhundert und ihre Hintergründe.

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2. Der historische Jesus in Bultmanns Sicht um 1920

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2.1 Der Auslöser der Kontroverse: Bultmanns Vortrag „Ethische und mystische Religion im Urchristentum“ In seinem Vortrag „Ethische und mythische Religion im Urchristentum“1 stellte Bultmann während der Jahrestagung der ‚Freunde der Christlichen Welt’ am 29. September 1920 ergebnisorientiert und kritisch wertend seine Sicht des For- schungsstandes zur Urchristentumsgeschichte vor, ordnete die Frage nach der Bedeutung des historischen Jesus ein und zog Konsequenzen für mögliche Ges- taltungsformen und gedankliche Bezugspunkte des Christentums im beginnen- den 20. Jahrhundert. Dem historischen Jesus kommt, so seine die Hörer- und Leserschaft provozierende Sicht, hierbei keinerlei grundlegende Bedeutung zu.2 1 Abgedruckt in der ChW 34/ 1920, 725-731. 738-741. – Rudolf Bultmanns Ausführun- gen standen neben Friedrich Gogartens Vortrag „Die Krisis unserer Kultur“ und einem Vortrag Rudolf Ottos über „Religion und Völkergemeinschaft“ (vgl. 1.1 Anm. 8). – Die Vorträge Gogartens und Bultmanns gehören tendenziell zusammen. Darauf weist schon Martin Rade in seiner Ankündigung des Tagungsprogramms in den „Vertraulichen Mit- teilungen, An die Freunde“ (Nr. 68/1920, 733) hin: „Bultmanns und Gogartens Reden werden sich beinahe wie Referat und Korreferat verhalten. Sie wachsen aus verschiede- ner Wurzel aufeinander zu.“ Otto setzte demgegenüber einen eigenen Akzent und trug damit zugleich der Anwesenheit einer Abordnung von amerikanischen Quäkern Rech- nung, so die Notiz im Tagungsprotokoll (aaO.). 2 Unter „Kleine Mitteilungen“ beugt Rade als Redaktionsleiter der ChW in der Ausgabe Nr. 47 (1920) einer zu erwartenden Empörung in der Leserschaft über Bultmanns Vor- trag vor: „Die Leser, welche den Bultmannschen Vortrag...

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